Irgendwie haben wir es dann endlich geschafft. Am Sonntag fuhren wir nachmittags endlich aus Nairobi raus.

Unser erstes Ziel war Nakuru. Dort kenne ich einen netten Campingplatz und am Montag waren wir früh die Ersten, die in den dortigen Park einfuhren. Keine zehn Minuten und wir sahen auch schon zwei schöne Löwenmänner mit wuschiger Mähne. Dann wie immer 😉 , hinter fast jeder Kurve eine überraschung. Mal Nashörner, Giraffen, Kaffernbüffel, viele bunte Vögel, Adler, Impalas, Wasserböcke und und und!

Am nächsten Tag gleich zeitig weiter. Unser Ziel war heute die Masai Mara. Erst waren die Straßen gut, doch dann befanden wir uns auf einer richtig schlechten Piste. Viele Schlaglöcher umfahren und langsameres fahren war nötig. Das war wahrscheinlich im nachhinein auch unser Glück im Unglück! Denn plötzlich, auf einem leicht abschüssigen Stück, tat es einen gewaltigen Schlag, das Auto sackte hinten rechts zusammen. Ich dachte sofort, der Reifen sei geplatzt! Doch dann zu unseren Entsetzen rollte der Reifen an uns vorbei!!!  Ich war schon dabei, das Auto zum stehen zu bringen, da schauten wir fassungslos dem Reifen hinterher. Ein paar hundert Meter weiter konnten ihn zwei Jugendliche zum Stehen bringen! Der Schock war groß! Was ist passiert? Wie konnte das passieren? Erst langsam machten wir uns auf die Fehlersuche und realisierten unsere Lage! Und erst viel viel viel später realisierten wir, was wir für Glück hatten! Das Auto stand da nun in einem Stück, daß zum Glück nicht asphaltiert oder steinig war. Einfach sandiger Lehmboden. Die Achse hatte eine gut 20 Meter lange Furche in dem Weg hinterlassen und war (was uns erst später klar wurde) auf Grund der Bodenbeschaffenheit nicht weiter beeinträchtig. Ich bin in dem Stück vielleicht 30 oder 40 km/h gefahren. Was wäre passiert, wenn das auf einer Asphaltstrecke bei 90 km/h passiert wäre?!?! Wenn der Reifen bei der Geschwindigkeit in eine Menschenmenge gerollt wäre?!?! Wenn es bei höherer Geschwindigkeit in einer stärkeren Kurve passiert wäre?!?!

Aber wie konnte das passieren? Und wie geht es weiter? Natülich machten wir uns bald daran, zu schauen, ob wir irgendwie weiter fahren können! Also Fehlersuche! Leider kenne ich als Laie nicht mal in der deutschen Sprache die richtigen Namen für viele Teile am Auto. Aber ich probiere es mal hier! Da mein Auto wegen möglicher Sand-/Geländefahrten etwas breitere Reifen hat, hat der Reifen hinter den Felgen noch einen Metallring zur Spurverbreiterung. Dieser Ring war komischerweise noch auf der Felge drauf. Aber dahinter die Bolzen, die das Rad mit dem Hub/ der Achse verbinden, waren alle Bolzen gebrochen! Da wo die gebrochenen Bolzen befestigt waren, sowohl im Hub als auch in den Spurverbreiterungsring, haben sie vom ursprünglichen Gewinde nichts mehr übrig gelassen und das Metall auf beiden Seiten stark deformiert. Wir hatten also keine Chance irgendwie den Reifen wieder auf der Achse zu befestigen und alleine weiter zu fahren!

Unser Glück im Unglück setzte sich erfreulicherweise fort. Nachdem wir halbwegs realisiert hatten, daß wir hier alleine so nicht mehr vom Fleck kommen, hielt ein Auto mit Regierungsnummer an. Der Fahrer fragte, ob er irgendwie helfen kann und wir erklärten unsere Situation. Er sagte, dass in circa einer Stunde Fahrt, eine Ortschaft käme, wo auch Reparaturen möglich wären. Wir berieten uns kurz, dann machten wir noch Bilder von den kaputten Teilen, damit man das einem Mechaniker auch mal im Bild zeigen kann und dann fuhr Johannes mit, in der Hoffnung Hilfe finden zu können. Ich durfte/mußte auf das Auto aufpassen, was allerdings nicht zu schwierig war. Ab und an kamen Autos/LKW’s vorbei, die dann vorsichtig langsam um den Toyo fahren mußten, er stand ja mitten im Weg und manch einer fragte, ob er helfen kann. Ansonsten versuchte ich mich ein bischen abzulenken, nahm ein Buch und setzte mich unter einen Baum in ein schattiges Plätzchen. Wir waren im Nichts auf circa 2600 Metern in einer Hochebene gestrandet!

Nach circa drei Stunden kam Johannes tatsächlich zurück. Der Regierungsbeamte hat geholfen und sie haben tatsächlich eine Werkstatt gefunden, die meinten, unser Auto wieder sehr schnell fahrbereit zu bekommen. Der Preis war schon verhandelt (mit kenianischer Hilfe) und die Ersatzteile in Nairobi schon bestellt und angeblich schon unterwegs. Notdürftig wurde nun mein Toyo mit einem anderen Hub (Verbindungsstück zwischen Achse und Reifenfelge) wieder fahrtüchtig gemacht und langsam ging es nach Narok. Leider stellte sich am Spätnachmittag heraus, daß in Nairobi das falsche Hub bestellt wurde und wir auf das neue bis mindestens den folgenden Tag warten mussten. Die Nacht am Campingplatz von Narok war interessant! Der Campingplatz diente Nachts auch als Parkplatz für die örtlichen Sammeltaxen. Wir waren umringt von 15 bis 20 Kleinbussen und beschallt wurden wir bis früh in den Morgen von zwei Diskoteken, die afrikanische Musik in der gebührenden Lautstärke abspielten 🙁

Dann doch noch eine kleine Überraschung. Man hatte uns in der Werkstatt versprochen, daß wir Mittags weiter fahren könnten und tsächlich sind wir schon um 15:30 Uhr weiter gefahren in Richtung Masai Mara. Natürlich nicht ohne vorher noch Stress mit dem Werksattbesitzer bei der Bezahlung zu bekommen. Bei dem am Vortag ausgehandelten Fixpreis wollte er nun noch alle angefallen Reparaturkosten, die nicht bei ihm in der Werkstatt gemacht werden konnten, extra berechnen. Auch die Kosten für die Bolzen und die Muttern wollte er nun extra dazu haben. Es hätte mich leider gewundert, wenn er es nicht versucht hätte, aber bei dem Versuch blieb es dann auch. Dann schnell noch ein Erinnerungsfoto mit den Mitarbeitern vor dem Auto und weg waren wir 🙂

Am nächsten Morgen waren wir natürlich wieder die Ersten, die am Gate standen. Wie schon im Nakuru Nationalpark, so auch hier. Wir sind keine 15 Minuten unterwegs und schon sehen wir zwei Autos in der Nähe von einem Baum stehen. Wir fahren hin und sehen es auch. Zwei Leoparden sitzten dort. Leider sind die Bedingungen zum Fotografieren alles andere als ideal und ein paar Minuten später machten sich die zwei auf zum nächsten Gebüsch, da es inzwischen schon bestimmt über zehn Autos waren. Wir fuhren weiter und hatten einen schönen Tag im Nationalpark, der alles bot. Regen, Schlammfahrten, viel Wind, Sonne aber auch wieder viele viele Tiere. Abends übernachteten wir im Vorgarten einer Masaifamilie außerhalb des Parkes. Dort war ich auch schon mit Magdalena im Herbst und ich wusste, was uns erwartete. Leider regnete es abends dort auch wieder in Strömen, zum Glück nur für eine halbe Stunde!

Am folgenden Tag fuhren wir über die Grenze. Bis auf den ganz normalen bürokratischen Wahnsinn verlief hier alles ganz normal. Glücklicherweise auch ohne größere Kosten und abends waren wir am Viktoriasee. Am nächsten Morgen über Bunda in die Serengeti. Dadurch, dass wir hier nun nach der Regenzeit unterwegs sind, ist alles sehr sehr grün, die Grässer sind hoch und die Tiere sind leider nicht auf wenige Wasserstellen fixiert und laufen weit verbreitet im Park herum. Fazit des ersten Tages: Tolle Landschaft aber leider wenig Tiere zu sehen. Abends am Campingplatz mussten wir dann auf die Dusche verzichten. Das Duschhäuschen war etwas abseits des Camps und genau dort hörte man dahinter im Wald immer wieder Löwen. Also wurde dieses Stück weiträumig von uns gemieden. Abends stellte sich dann starker Dauerregen ein und wir machten uns schon große Sorgen, wie wir auf den aufgeweichten Strecken am Morgen weiter kommen sollten! Aber zum Glück hörte es dann doch irgdendwann auf zu regnen und wir fuhren langsam in Richtung nördlichen Ausgang der Serengeti. Dann trauten wir unseren Augen nicht. Waren doch vor uns auf dem Weg in der Dämmerung Katzen unterwegs. Wir näherten uns vorsichtig und wir waren vollkommen aus dem Häuschen, als wir merkten, dass es zwei sehr junge Leoparden waren! Erst kletterten sie auf einen Baum, doch dann siegte die Neugierde und sie liefen bis knapp zehn Meter auf dem Weg vor unser Auto, schauten kurz und verschwanden ins teilweise mannshohe Gras! Überglücklich fuhren wir weiter und vergessen war der Frust der wenigen Tiere des Vortags. Mittags mussten wir aus der Serengeti außen sein und es ging langsam von 2100 Metern Höhe bis auf 600 Metern hinunter zum Lake Natron. Die Landschaft änderte sich dramatisch und auch die Temparaturen! Und was viel wichtiger war, es regnete nicht 🙂

Die Landschaft hat sich seit meinem letzten Besuch massiv verändert. Auf der Fahrt mussten wir einmal nach dem Weg fragen, denn dort wo vorher ein Weg war, war jetzt ein tiefer, langer Graben der ein Passieren unmöglich machte. Oft kamen wir an Stellen, die sehr deutlich von viel Wasser ausgespühlt waren oder mußten über Geröllhaufen, die vor zwei Monaten noch nicht da waren. Außerdem hatte die Landschaft ein schönes grünes Kleid. War es doch Anfang Dezember sehr verdorrt, war das Landschaftsbild nun ganz anders! Wir trafen Eddi, einen Bergführer den ich vom letzten Besuch kannte, klärten mit ihm, was wir wann vor hatten! Ich konnte Johannes zum Besteigen des Vulkans überreden. Mitternacht fuhren wir an den Fuß des Berges und liefen los. Leider hatte ich in dieser Nacht mit meinem Magen zu kämpfen und nach nicht mal einer Stunde mußte ich aufgeben und Johannes lief mit Eddi alleine zum Gipfel. Ich quälte mich im Zelt bis in den frühen Morgen, hatte Bauchzwicken, bis dann endlich die rettende Sitzung kam 😉 und siehe da, es ging mir schlagartig besser. So um 9:30 Uhr kam dann ein glücklicher aber fix und fertiger Johannes mir entgegen. Er hatte Glück, keine Wolken am Berg und einen tollen Sonnenaufgang am Gipfel des Vulkans. Er konnte von dort oben sogar den Kilimanjaro im Sonnenaufgang sehen!

Dann erst mal zurück auf den Campingplatz, ausruhen, nachmittags einen „Spaziergang“ zu einem Wasserfall und danach an den See, Flamingos beobachten. Auf den Weg dorthin Zebras und eine Giraffe, die vor uns den Weg kreuzt.

Anzumerken ist vielleicht noch, dass Eddi auf dem Weg zurück von den Flamingos, mein Fernglas auf mein Auto abgelegt hat. Als wir dann los fuhren, hat es keiner gemerkt und als wir dann zurück fuhren es zu suchen, war es natülich nicht mehr da! Also hab ich jetzt ein Fernglas weniger 🙁

Gestern ging es dann früh morgens über eine wunderschöne Strecke nach Arusha. Hier ließ ich erst mal das Auto waschen und wir machten ein paar Einkäufe für unseren Kühlschrank.
In den nächsten Tagen werden wir über die Usambara-Berge an die Küste fahren. Dort will Johannes noch ein paar Tage am Strand sich von den Strapazen erholen 🙂

Viele Grüße aus Arusha,
Euer Jens Cullmann

PS:
Die Big Five sind natürlich in Afrika zu finden, das war einfach 🙂 Löwe, Leopard, Kaffernbüffel, Elefant und Nashorn!
Wer von euch kennt die „Small Five“?

10 thoughts on “Tansania, Feb. 2010

  1. Marga Ulrich

    Hallo Cosmopolit,
    ja, ja, für Dich ist das leicht, war mir schon klar. Aber Du kannst davon ausgehen, dass die Daheimgebliebenen weder die „Großen noch die Kleinen Fünf“ kennen. Jeder den
    ich gefragt hab hatte eine andere Antwort, nur nicht die Richtige. Also, good luck und weiter so!
    Lb. Gr. Marga

  2. gisela

    Hallo Jenns und Johannes,
    jetzt kenne ich endlich „the big five“ aber „the small five“ sind mir noch unbekannt. Bin gespannt wer das weiß. Hat das auch etwas mit Tieren zu tun?
    Bei uns heute wieder Schneefall ohne Ende und minus 5 Grad. Da könntenn wir etwas von der Sonne Afrikas vertragen.
    Viele Grüsse und weiterhin eine gute Fahrt.
    Gisela

  3. gisela

    Hallo Jens,

    ich habe jetzt ja noch auf Bilder von den Löwenmännern mit den wuschigen Mähnen gehofft. Keine Bilder? Schade!
    Was ist nur mit Deinen Bloggern los? Keine Einträge mehr?
    Viele Grüsse aus Langenzenn
    Gisela

  4. Betti

    Halo Jens,
    the small five findet man an der NOrdsee – Wattenmeer: Wattwurm, Strandkrabbe, Nordseegarnele und Wattschnecke.
    Die Bilder aus der Serengeti sind wieder super.
    Good Luck

  5. Stephan Kern

    Hallo Jens,
    wieder tolle Bilder.
    Ähnliches ( Überlebens- )Glück hatten wir letztes Mal auch, als an der Hinterachse der Längslenker brauch und die Achse dadurch unkontrolliert wandern konnte.
    Der Übernachtungsplatz bei Moses erfreut sich immer größerer Beliebtheit 😉

    Ich denke, daß es sich bei den fotografierten Spuren um Hyänenspuren handelt, weil man deutlich die Krallen sieht, und Leoparden die Krallen nicht während des „Spazierengehens“ ausfahren.
    Die einzigen Großkatzen mit starren Krallen, sind die Geparde. Klugscheissmodus aus ;-)))
    LG
    S

  6. Mike Stango

    Hello Jens,
    Glad to see you are doing well and enjoying life. I have followed your travels for a while now but have yet to contact you till now. I especially liked your „photo of the week“ with the 2 „cats“ . Do you have a high res image available ? In any case fly safe . . .
    Wishing you a Blue sky, – Mike

  7. Margit

    Hi Jens,
    Ol donyo lengai hat´s dir angetan, kann ich verstehen.
    wir hatten auch mal sehr hohes Gras in der Serengeti und
    deswegen keine Tiere dann hat unser guide mit uns die small
    five gesucht (ameisenlöwe, Nashornkäfer LeopardenSchildkröte, Elefantenspitzmaus und buffaloweaver)
    haben den Ameisenlöwen fast eine Stunde beobachtet und rausgelockt war genau so spannend wie einen großen Löwen gucken! safari njema weiterhin Margit und Theo

  8. Jens

    Hallo liebe Blogger,
    Stephan hat natürlich (leider 😉 recht bei den Spuren im Matsch. Aber so ist das, wenn man einem Masai glaubt ohne zu prüfen 😉 Hatte jetzt in Dar es Salaam die Zeit, Nachforschungen zu betreiben!
    Das mit den small five war ja auch nicht zu schwer, leider hab ich da noch nicht alle gesehen.
    Momentan bin ich ein bischen unentschlossen, wo es weiter gehen soll! Sambia und Nordmosambik ist zumindest nach dem Kalender nun Regenzeit und Magdalena muss wissen, wohin sie in fünf Wochen ihren Flug buchen soll (bis dahin ist mein Visum abgelaufen und ich muß zumindest aus Tansania raus)!
    Viele Grüße aus Dar an alle Lesenden,
    Jens

  9. bandar

    Hallo Jens,
    I hope you are doing o.k.
    I saw your cars broke down or flat tire. But I saw peoples a round you helping.

    best regards

    Bandar

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