Von Botswana fuhr ich relativ schnell über Harare nach Mana Pools NP. Schon bei der Fahrt in den Park hingen noch dicke Wolken über dem Tal und auch schon bei der Fahrt von Harare weg musste ich durch einige kräftige Regenschauer fahren. Nicht die besten Vorzeichen, um in einen Park zu fahren, der in der Regenzeit für mehrere Monate schließt…

…aber laut Kalender sollte es schon nach der Regenzeit sein!

Schon am ersten Gate wurde ich gewarnt, das der Wasserpegel am Fluss Mana am Morgen so hoch war, dass keiner passieren konnte. Ich fuhr trotzdem weiter. Am zweiten Gate dann die gleiche Warnung. Dann die (berechtigten) Belehrungen der Guards, nicht durch das Wasser zu fahren, wenn es zu tief ist … aber wann weiß man das vorher?
Kurz vor dem Fluss dann Entwarnung. Mir kamen drei Geländewägen entgegen, die den ganzen Vormittag am Mana gewartet haben, bis der Wasserspiegel sank. Der Weg dort hin war für mich eh schon ungewohnt. Nach fünf Jahren Parkbesuch in der absoluten Trockenzeit, hatte der Park nun ein ganz anderes Gesicht. Klar, es war überall richtig sattes grün. Die staubige Wellblechpiste, über die man in der trockenen Jahreszeit schneller fahren muss, musste nun ganz anders gefahren werden. Schlamm sollte man nicht ganz so schnell durchqueren 😉

Am Mana angekommen, war ich alleine. Ich durchwatete den Fluss erst mal, um mir selber ein Bild zu machen. Die Strömung war stark, aber die Brücke war nur noch circa einen halben Meter überspült. Eine Querung sollte also auch bei mir klappen, was dan auch durch den festen Untergrund der Betonbrücke kein Problem darstellte.
Am Campingplatz erkannte ich dann fast „meinen“ Campingplatz nicht mehr. Das Gras war so hoch und die Zufahrt so matschig, dass er komplett anders aussah, als in der Trockenzeit, wo kaum Grass übrig ist und alles staubig braun ist.
Am späten Nachmittag dann mein erster „Game-Drive“. Es war überall sehr sehr schlammig und da passierte es. In der Sekunde, wo das Auto mit der Karosserie aufsitzt, weisst du, du steckst fest. Ein paar versuche noch mit Low Gear, aber hoffnungslos. Die Kiste steckt fest! Und das eine halbe Stunde vor dem Sonnenuntergang!! (kurz nach Sonnenuntergang sollte man im Camp sein)
Also aussteigen, die Sandbleche ab, den Wagenheber platzieren und los geht es! Zum Glück waren um das Auto ein paar tote umgestürzte Bäume. Dort konnte ich dann dickere Äste mit der Axt abschlagen und unter die aufgebockten Reifen wuchten. Das Wasser dieses Schlammlochs ging genau bis zur Unerkannte der Autotür. Wenn ich die Tür nicht vorsichtig zuschlug, schaufelte ich Wasser in das Auto 🙁 Und in der Hektik ist das leider auch oft passiert.
Das Freikommen gestaltet sich als schwieriger als gedacht. Der Untergrund war doch sehr weich und oft musste ich das Heben mit den Wagenheber abbrechen, weil sich der Wagenheber oft gefährlich neigte. Dann musste ich wieder von vorne anfangen, versuchen das Sandblech, auf dem der Wagenheber platziert wurde, halbwegs gerade und fest zu platzieren. Aber leider wurde durch die Druckaufnahme das Sandblech so ungünstig in den Schlamm gedrückt, dass der Wagenheber sich gefährlich neigte. Also aufhören, abbauen und von vorne 🙁
Es wurde dunkler und dunkler. Dann kam noch dazu, dass ganz nahe am Auto plötzlich ein Löwe anfing zu rufen. (das ist natürlich besser, als wenn er sich anschleicht!) Ich habe dann den Motor des Autos angemacht und anstatt nur mit Stirnlampe zu arbeiten, natürlich auch das Licht.
Nach knapp drei Stunden konnte ich mich dann endlich aus eigener Kraft befreien. Total dreckig, vermatscht und durstig fuhr ich im Dunkeln zurück zu meinen Camp. Ich war fix und fertig. Zu müde um Abendessen zu machen. Dann habe ich erst mal drei Liter Wasser am Stück getrunken, kurze Körperpflege und dann sofort ins Bett!
Den nächsten Morgen musste ich gemütlich angehen. Sandbleche zurecht biegen, Wagenheber auseinander bauen und wieder einfetten, Wäsche waschen usw.

Das war nicht der beste Anfang für den Parkaufenthalt. In den nächsten Tagen kam dann noch dazu, dass meine Bremsen weniger und weniger funktionierten. Daher fuhr ich dann nur noch so, dass ich zum Bremsen den Motor benutzte (Motorbremse mit niedrigeren Gang). Dann brachen nach und nach auch noch zwei Schrauben an der Nabe zur Antriebswelle. Die Stimmung ging langsam gegen Null und ich fuhr eine Woche eher aus den Park, als geplant um die nächste Werkstatt anzusteuern.

Im Park lernte ich dann zum Glück Charlotte und Robert kennen. Wegen den matschigen Wegen, entschlossen wir uns oft, mit zwei Autos zusammen zu fahren, falls mal einer von uns wieder stecken bleibt. Wir hatten eine schöne gemütliche Zeit im Park und bei den Beiden konnte ich dann auch in Harare nächtigen, als mein Auto in der Werkstatt war.

Tja, so ist das, wenn man seine Reise so plant, dass man eigentlich nach der Regenzeit in den Park fährt und die Regenzeit aber nicht so will, wie die Planung! Aber jetzt weiss ich endlich, wie Zimbabwe und Mana Pools aussehen, wenn es mal grün ist! 🙂

Herzliche Grüße,

Euer Jens Cullmann

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