Was für ein Tag, alle Höhen und Tiefen erlebt! Aber wie immer der Reihe nach 😉

Nach Tagen in Johannesburg, Service am Auto, Einkäufe für die Reise, Routenplanung usw. ging es am fünften Tag nach Ankunft schon los. Die erste Etappe war lang, von Johannesburg, Pretoria in den Norden. Dann ein problemloser Grenzübergang nach Botswana und abends schon in den Makgadikgadi Pans (circa 850km Tagespensum). Das ist ein riesiger urzeitlicher ausgetrockneter See, der in weiten Teilen nach der Regenzeit nicht befahrbar ist und selbst in der Trockenzeit an manchen Stellen nicht passierbar ist! Aber jetzt, ende der Trockenzeit auf den Hauptwegen eigentlich unproblematisch zu befahren und einsam. Nach der ersten Nacht in den Pans geht es nach dem Frühstück weiter in Richtung Kubu-Island. Nach kurzer Fotopause will ich weiter fahren, aber das Auto bewegts sich nicht mehr … Motor läuft, Gang ist drin … was kann da los sein? Also Fehlersuche, ich steige aus, laufe mal ums Auto und da trifft mich der Schlag. Schaut doch am hinteren rechten Rad die Achsgetriebestange circa 30 Zentimeter aus dem Rad raus. Das Differenzial-Öl hat sich um die Felge verteilt und immer noch fassungslos muss ich feststellen, dass alle Schrauben und Bolzen, die von Getriebestange auf die Radnabe gehen gebrochen sind! … und das hier, im Nichts, weit und breit um mich herum nur getrocknete Salzkruste, soweit das Auge reicht! Wie konnte das passieren! Hatte ich doch das Auto noch vor zwei Tagen in der Werksatt. Ich wusste zwar, das zwei Schrauben an dieser Stelle gebrochen war, aber auf das Nachfragen antwortete mir der zuständige Mechaniker, dass das kein Problem wäre und das ich das reparieren lassen kann, wenn ich wieder zurück bin. Ich sagte ihm, dass ich circa 15.000 km in den nächsten Wochen fahren werde und er meinte, das hät auf jeden Fall. Und nun, nicht mal 1.000 km weiter sind alle gebrochen!

Was machen? Man hat mir mal erzählt, das mann diese Stangen raus nehmen kann, dann auf Vier-Rad-Antrieb umstellen und man kann dann mit dem Vorderradantrieb weiter fahren! Also probiere ich das mal aus, Stange raus, in den Fußraum damit, umstellen auf Allradmodus und tatsächlich, der Toyo bewegt sich! Aber so ganz traue ich der Sache doch nicht. Da es natürlich keinen Mobil-Empfang gibt, rufe ich mit dem Satelliten-Telefon den Mechaniker meines Vertrauens an, um mir noch Anweisungen und wertvolle Tips zu holen. Aber er kann mir auch nur das sagen, was ich mir schon gedacht habe. Vorsichtig und langsam fahren, Schalten mit hohen Lastwechsel auf dem Getriebe vermeiden … also erst mal überlegen, wohin! Letlhakane schaut auf der Karte am größten aus! Also erst mal vorsichtig dort hin kommen. In den Pans ist es nicht so schwer, da es sehr flach ist. dann aber kommt Schotter- und Sandpiste mit Steigungen und ich hoffe nur, dass das nicht zu schlimm das vordere Getriebe belastet. Nach 80 km endlich in Letlhakane. Dort in der Werkstatt kann man mir aber nur sagen, dass sie das hier nicht machen können und keine Ersatzteile dafür haben … wenigstens ehrlich! Also weiter nach Francistown, dort muss ich eh hin, weil es auf den Weg nach Simbabwe ist! Bis dort hin sind es aber noch 230km! Also vorsichtg weiter. Unterwegs dann SMS an Ericus und Zelda, ein Lagebericht. Ericus bietet sich gleich an, Ersatzteile nach Franzistown zu bringen. Kurz vor Franzistown ruft dann auch der Mechaniker an, bei dem das Auto im Servise war. Aber leider war dié Verbindung zu schlecht. Später erfahre ich dann von Ericus, dass er mich gewarnt hätte, aber ich wollte ja unbedingt los! Da versucht jemand seinen Kopf zu retten! Das ärgert mich eigentlich am meisten. Ich frage ihn noch, ob ich damit fahren kann, er meinte, es wäre kein Problem und jetzt behauptet er das Gegenteil, ich hätte keine Zeit mehr gehabt usw! Aber es hilft mir jetzt auch nicht weiter!

In Francistown bei Toyota schickt man mich zu einer Werkstatt, die auf Differenziale und Schaltgetriebe spezialisiert ist. Dort schockt mich erst mal Toni der Besitzer, dass er nötige Ersatzteile nicht hat und er die erst am Montag bekommen könnte (heute ist Donnerstag). Es sind nur kleine konische Beilegscheiben die er nicht hätte. Nach längeren hin und her, einigen wir uns erst mal, dass ich am nächsten Morgen früh kommen soll. Dann fällt mir glücklicherweise ein, dass ich diese Scheiben evtl. bei mir noch irgendwo in der Werkzeugkiste habe. Bei meinem letzten unfreiwilligen Werkstattaufenthalt mit Johannes in Kenia, waren die nach der Reparatur noch übrig/doppelt und ich hab sie mal eingesteckt. Am Campingplatz in der Nähe mache ich mich gleich auf die Suche nach den Dingern in den Untiefen meines Autos … und tatsächlich, nach kurzer Suche, halt ich die Dinger wirklich in der Hand! 🙂 Hoffentlich sind es auch die, die zur Reparatur benötigt werden.

Am nächsten Morgen bin ich natürlich der Erste vor den Werkstatt-Toren und warte schon gespannt. Toni, der Werkstattbesitz-er schaut sich die Dinger an und meinte, dass das weiterhelfen würde. Nun müssen erst die gebrochenen Schrauben und Bolzen aus der Radnabe gebohrt werden, dann die Gewinde nachschneiden, aus anderen Radnaben sind schnell ein paar passende Schrauben gefunden und mit meine konischen Beilegscheiben geht es langsam aber zielgerichtet voran! Und dann kann ich es noch garnicht glauben. Kurz vor der Mittagspause ist das Rad wieder montiert, Diff-Öl kontrolliert und auf zur Probefahrt! Passt, alles hält, keine komischen Geräusche! Hier dauert das einen Vormittag für das komplette Rad! Die Werkstatt in Johannesburg hat für die zwei abgebrochenen Schrauben drei Tage veranschlagt!!!
F..K Safari Center Johannesburg.

Das Vertrauen ins Auto war erst mal weg. Also kurz überlegt und dann plane ich doch nochmal kurzentschlossen, am nächsten Tag wieder in die Makgadikgadi-Pans zu fahren. Die andere Alternative, weiter nach Simbabwe scheint mir noch zu riskant. Wenn dort was mit dem Auto ist, glaube ich weniger Chancen auf Hilfe zu haben, als in Botswana! … und irgendwie muss ich ja das Vertrauen in das Auto wieder aufbauen … also am besten dort hin, wo es passiert ist 🙂

Jetzt sitze Montag spät abends wieder im Camp in Fracistown und es waren drei wundervolle Tage ohne Zwischenfälle! Wie schon am Donnerstag geplant, gings erst mitten in die Pans auf Kubu-Island. Die Nacht dann irgendwo in den Pans, mitten im ausgetrockenten See. Dann weiter in den Norden und über Gweta und Nata wieder am Rande der Pans auf die Insel Kukonje! Traumhaftes Campieren unter einem riesigen Baobab, tolle Sonnenuntergänge und Sonnenaufgänge, Montags wieder zurück nach Francistown. Hier hab ich mich nochmals bei den Jungs von der Werkstatt bedankt und ihnen was ausgegeben. Dann Vorbereitungen für Simbabwe: tanken und shoppen, Wäsche waschen im Camp!  … und dann der Schreck zurück am Campingplatz in der Stadt: Wo ist mein kleiner Rucksack! Ich kann ihn nicht mehr finden und ich kann mir bis jetzt beim besten Willen nicht erklären, wo ich ihn hab liegenlassen! Glück im Unglück ist nur, dass nicht viel drinnen war! Pass, Kreditkarten, Kamera usw. hab ich ausnahmsweise nicht drin gehabt! „Nur“ Ersatzschlüssel fürs Auto und ein paar Schmierzettel! Ich war sogar zweimal bei dem Supermarkt und hab nachgefragt, aber da hat keiner was gesehen/gefunden! Naja, morgen gehts nach Simbabwe! … die Spannung ist groß 🙂

Viele Grüße aus Francistown/Botswana,
Euer Jens Cullmann

PS: der Schluss wurde etwas verkürzt, da hier die Bar mit dem Internetzugang schliesen will!

9 thoughts on “Weites Botswana, Sep. 2010

  1. Claus

    Hallo Jens,

    bist ja mal wieder still und heimlich verschwunden! 😉
    Hast als doch keine Lust mit uns zu grillen, oder? ;-(
    Schade, das es wieder nicht geklappt hat, hatte gerade an Dich gedacht – am Freitag ist wieder Graffelmarkt in Fürth.
    Ich wünsch Dir und deinem Auto eine schöne und spannende Zeit in Afrika, ggf. musst Du uns nächstes Jahr im Sommer ein mal als Guide zur Verfügung stehen.
    Also halt die Ohren steif, ich würde gerne einmal mit Dir unterwegs sein.
    Doris + Claus

  2. gisela

    Das ist ja noch mal gut ausgegangen. Hoffentlich hält das jetzt und Du kannst ungestört weiter fahren.
    Ist es Dir dort nicht zu einsam? Weit und breit nichts.
    Du siehst auf jeden Fall glücklich aus.
    Weiterhin gut Reise
    Gisela

  3. Johannes

    Och Möönsch, gebrochenes rechtes Hinterrad ohne mich…..

    😉

    Komisch, an einer Fehlverteilung des Gewichtes kann es ja nicht liegen, dass immer hinten rechts was bricht…
    … aber wahrscheinlich denke ich da zu naiv.

    Naja, glücklicherweise wieder alles gut.

    Liebe Grüße

    Johannes

  4. Magdalena

    Das Problem des fehlenden Gewichts auf der Beifahrerseite wurde von Jens sofort durch die Verlagerung sämtlicher Ausrüstung behoben… 😉
    Daran konnte es also nicht liegen.
    Vermutlich war das eher die Kompetenzschwäche der Mechaniker, die so gerne Arbeitsklamotten mit der Schrift „Relax, I’m an expert“ tragen…

    oder hat noch jemand andere Schlaumeier-Erklärungen?

    gute Reise und viel Spaß in Sim,
    Magda

  5. Thomas Much

    Mensch, das faengt ja gut an… Hoffe, das es von jetzt an nur noch bergauf geht.
    Viele Gruesse aus down under,
    Thomas

  6. Rudolf S

    Hallo Jens,
    na mal wieder Glück im Unglück gehabt,….und dann noch jede Menge Zeit um viel zu schreiben.
    Die Bilder von den Minibäumchen sind ebenso beeindruckend
    wie derBericht.
    Viele Grüße
    Brigitte und Rudolf S

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