Die letzten Tage in Jeddah waren voller Zweifel!

Die Nachrichten aus/über den Sudan haben mir ein paar mehr graue Haare beschert. Soll ich die Reise absagen? Soll ich einen anderen Weg nehmen? Fast stündlich im Internet nach neuen Nachrichten geschaut, in verschiedenen Foren um Meinungen gebeten, mit einigen reiseerfahrenen Leuten telefoniert usw.  … aber zum Schluß muß man selbst die Entscheidung treffen, fahren oder nicht fahren!!! Und ich muß gestehen, ich war wirklich mal kurz davor, einzuknicken und das ganze abzublasen. Da war mein Auto allerdings schon auf dem Zollgelände, das Boarding für die Passagiere allerdings erst Stunden später. 🙂

Naja, mit komischen Gefühl im Bauch ging es dann auf die Fähre. Dort angekommen, lernte ich Bandar und Said (zwei Saudische Geschäftsleute) und Ahmed (einen Palistinänser, der im Sudan der Kosten wegen Zahnmedizin studiert), kennen. Den Dreien traute ich meine Sorgen an und von da an waren sie sehr bemüht, mich zu beruhigen. Bander kennt anscheinend relativ wichtige Leute in der Regierung, Ahmed den höchsten Richter aus der Region Port Sudan und falls etwas schief laufen sollte, gibt es Vitamin B!

Die Ausreise zog sich auf jeden Fall ziemlich in die Länge. Um 16 Uhr war Boarding für die Passagiere. Zeitgleich wurde die Fähre mit Kontainern und Fahrkzeugen beladen. Mein Auto mußte ich, wie oben kurz erwähnt, schon vormittags mit allen wichtigen Papieren im Zollbereich unverschlossen mit steckeneden Schlüssel stehen lassen, ein komisches Gefühl! Als ich schon im Passagierbereich war, wurde ich allerdings vor dem Boarding noch von den Verzollungsagenten angerufen. Er konnte kaum englisch, zu der Zeit lernte ich gerade Ahmed kennen, der dann übersetzte. Irgendein wichtiges Einreisedokument nach Saudi Arabien fehlte. Ich mußte nochmal zum Auto. Also wieder raus, an allen Leuten vorbei zum Auto, dann zum Zoll. Denen mußte ich dann irgendwie glaubhaft versichern, daß ich kein weiteres Einreisedokument bei der Einreise nach Saudi Arabien bekommen habe und nach ein paar Minuten Diskussion wurde kurzerhand das Einreisedokument vom Iran in die Vereinigte Emirate hergenommen und ich durfte wieder in die Passagierhalle. Mit Bussen wurden dann nach und nach die Passagiere zum Schiff gebracht. Um 0.30 Uhr legte das vollbeladene Schiff dann endlich ab. Zum Glück hatte ich mir eine 1.Klasse Ticket gekauft, was dann eine Vierer-Kabine war. Sonst schliefen die Leute, wo sie gerade einen Platz ergatterten, auf den Fluren, an Deck, unter den Treppen, einfach überall.

Nach 14 Stunden Fahrt endlich wieder an Land, welcome to africa! Die Einreise war diesmal halbwegs unproblematisch und schon nach vier Stunden hatte ich mein Auto auch zolltechnisch im Sudan und fuhr von Suakin (Hafen der Fähre, 60 km südlich von Port Sudan) nach Port Sudan. Dort hat Bandar für uns schon ein Hotel gefunden. Dann mußten wir uns noch bei der Polizei und so einer Art Geheimdienst melden. Um von Port Sudan aber weg zu kommen,  enötigt man für die Check Points ein „Travel Permit“. Diese sollten wir dann allerdings erst am darauf folgenden Tag spät abends bekommen. Der Samstag war also geprägt von Polizei-/Behördengängen, Fotokopien hier, Stempel da und warten … sehr sehr nervig! Am Sonntag früh ging es dann endlich weiter. Bandar und Said mieteten sich ein Auto mit Fahrer und ich in Richtung  hartoum. Ahmed hatte noch immer keine Reisegenehmigung und wollte mit den Bus dann nach kommen, was wir sehr bedauerten, aber Ahmed bekam dann erst den morgen danach seine Reisegenehmigung 🙁
Es war für mich unerwartet sehr heiss, war es in Port Sudan noch sehr warm und schwül, so war es auf den Weg nach Atbara schon deutlich über 40 Grad. Erst nach 18 Uhr ging das Thermometer unter die 40 Grad C. In Atbara bekam ich über die Saudis wieder ein Hotelzimmer. Die Tatsache, das die beiden Saudis einen Fahrer hatten und der ja auch irgendwo schlafen mußte, hatte den Vorteil, dass sie mir das freie Bett in dem Zimmer anboten, in dem auch der Fahrer schlief. Was ich in Atbara dankend annahm, da es an dem Tag sehr windig und dadurch sehr staubig war. Montag dann nach Khartoum. Bandar hatte gleich einen geschäftlichen Termin und ich suchte mir ein Hotel.

Viele wissen es ja bereits, hier im Blog kann man eh nichts verheimlichen, abends kam Magdalena mit dem Flieger aus Frankfurt 🙂 Die nächsten Wochen werden wir hier zusammen unterwegs sein.

Die letzten zwei Tage ging die Behördenrally weiter. Jeder Besucher muß sich innerhalb von drei Tagen offiziell bei den Behörden melden, also dort wieder Anträge ausfüllen, Passkopien abgeben und und und. Jetzt sind wir beide gemeldet, haben eine Photo-Genehmigung, ich auch schon mein Äthiopisches Visum und unserer Reiseroute ist angemeldet. Für den Norden braucht man zum Glück nicht das gefürchtete Travel-Permit, denn für diese Genehmigung kann man angeblich gute drei Tage in Khartoum investieren. Also fahren wir erst mal in den nächsten Tagen in den Norden des Sudans.

Heute nachmittag machten wir dann gleich Bekannschaft mit dem ersten Polizeirevier. Wir hatten alle Papiere und haben uns für den Nachmittag für eine der wenigen touristischen Highlights bei Khartoum entschieden, der Souk von Omdurman. Ein riesiger Markt. Magda fotografierte, natürlich erst, nachdem sie den photographierten Personen zeigte/signalisierte, dass sie sie photographieren wolle. Nach deren Einverständnis wurde dann photographiert. Teilweise wurden wir sogar aufgefordert zu photographieren, von Leuten, die eben photographiert werden wollten. Einigen anderen hat das anscheinend aber nicht gefallen. Erst wurde mal zaghaft nach Geld gefragt, dann gefragt, für was wir die Bilder brauchen und gleichzeitig wurde uns unterstellt, die Bilder zu mißbrauchen um den Sudan in ein schlechtes Licht zu stellen. Wir versicherten, dass wir die Bilder nur für uns und als Reiseerinnerung an unseren Urlaub machten, gingen dann weiter und wurden ein paar Minuten darauf von einem Polizisten in Zivil angesprochen, was wir hier photographierten, obwohl wir zu dem Zeitpunkt die Kamera in der Tasche hatten, Zufall!?!? Wir „durften“ dann mit ihm zum nächsten Polizeirevier laufen, wo sie meinen Pass kontrollierten.

Nach ein paar Minuten durften wir wieder gehen, aber mit dem klaren Hinweiß, das photographieren hier zu unterlassen 🙁 (in diesen Moment hielt ich es für angebracht, nicht auf meine Photo-Genehmigung hinzuweisen und darauf zu bestehen 😉  )

Danach dann wieder das genaue Gegenteil. Wir fuhren noch in einer Werkstatt, da inzwischen doch ein paar Wartungsarbeiten für den Toyo anstehen und die Lenkhydraulik Öl verliert. Die Leute in der Werkstatt waren wieder super freundlich, haben uns schon fast gedrängt, noch länger in Khartoum zu bleiben, damit man zusammen Ausfahrten machen kann und sie uns die Gegend zeigen können. Allerdings haben sie erst ab Freitag Abend Zeit. Wir wollen aber doch erst mal so schnell wie möglich raus aus der „Stadt“ (ein Reiseführer bezeichnet Khartoum als ein riesiges Dorf!), versprachen aber, daß wir uns nach unserer Tour in den Norden wieder melden werden. Das gleiche gilt für diesen Blog 😉

Viele Grüße aus Khartoum,
Euer Jens Cullmann

PS: Da wir bei unserer photographischen Arbeit 😉 behindert wurden und seit Jeddah nicht wirklich viel passiert ist, demnächst in der Gallery hoffentlich wieder mehr!
Vielen Dank an alle, die mir die tolle Musik zusammengestellt haben. Ich werde beim Hören an euch denken 😉

9 thoughts on “Sudan Welcome to Africa, März 2009

  1. Stephan Kern

    Hallo Magdalena,
    hallo Jens,
    schön zu hören, daß alles gut läuft.
    Man hat als ein um Rat Gefragter immer ein mulmiges Gefühl, ob man jetzt mit seinem Rat richtig liegt oder ob man dazu beiträgt, daß jemand dadurch Probleme bekommt.
    Gott sei Dank klappt ja bisher alles wie am Schnürchen.
    Von der Bevölkerung erwartete ich auch nichts anderes.
    Man weiß aber nie, welche Direktiven die Beamten, mit denen man auf einer solchen Reise ständig zu tun hat und auf deren Entgegenkommen und korrektes Verhalten man angewiesen ist, in einer solchen politischen Situation „von oben“ bekommen haben.
    Ich wünsch Euch nach ganz viel Spaß, tolle Momente und Erlebnisse und weiterhin viel Glück.
    Inschallah.
    Stephan

  2. Herbert FRITZ

    Hallo Jens,
    jetzt ist mir klar, warum du nicht mehr mir dem Chauffeur in einem Zimmer schlafen wolltest!!
    Demnächst bitte ein Bild von Magdalena in der Wüste (dein letztes mit dem Schattenstern war Klasse).
    Bin wieder beruhigt nach der rel. langen Sendepause und wünsche euch beiden eine erlebnisreiche Weiterreise ohne Komplikationen!
    Herzlichen Gruß
    Herbert

  3. Gerhart Krutschinna

    Hallo Jens,
    verfolge seit einiger Zeit Deine Reisen, nicht ohne gewissen Neid:-)
    Habe in meinem ersten Berufsleben (vor 50 Jahren) die Gegend per Seefahrt bereist, die Behörden-Hürden sind immer noch die gleichen, wie ich Deinen Berichten entnehme: Viel Spaß dabei!! Auch an den äusseren Verhältnissen ist trotz technologischen Fortschritts keine umwälzende Veränderung zu erkennen, also lohnt die Reise immer noch.
    Weiter alles Gute und möglichst keine Autopannen! Gruß Gerhart
    PS.: kennst Du mich überhaupt noch? 1999 Marmoladaflug!
    .
    Kommentar Jens:
    Hallo Gerhart, klar kann ich mich an Dich erinnern!
    Viele Gruesse, Jens

  4. Folkert

    Hallo Jens,
    bin nach einigen Tagen offline auch mal wieder in Deinem Blog gelandet. Es bleibt spannend! Kenne selbst die arabische Gastfreundlichkeit zumindest von meinen Dienstreisen, manches Mal an der Grenze zum Aufdringlichen und auch darüber hinweg für uns Mittel-Europäer

    Weiterhin viel Spaß und paßt auf Euch auf,
    Folkert

  5. Harry

    Hallo Jens und Magdalena,
    so nun endlich in Afrika, da gehen die Uhren nun wahrscheinlich etwas anders als im Orient. Ich wünsche Euch beiden für die nächste Zeit alles Gute und passt auf Euch auf.
    Bis bald
    Harry

  6. carola

    hi ihr,
    jetzt wirds wohl ernst
    ann-katrin will buchen
    gehts euch gut
    jetzt gibts nimmer soviel zu berichten
    weil du nicht mehr alleine bist oder wie ??

    wir warten auf news vielleicht auch mal von magda
    liebe gruesse carola

  7. Franzi

    Servus Magda, grüß dich Jens, danke noch mal für die netten Geburtstagsgrüße von euch aus der Wüste. Ich bilde mir ja heute noch was darauf ein *lach*. Grüßle auch von Jens-Frank und der Sia-Schnecke, die freut sich schon auf die Rückkehr von Magda *grins*. Bis dann dann, Die Franzi.

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