In einer bestimmten Tageszeitung hätte man lesen können: Elefantenattacke auf Campingplatz! Aber davor ist ja auch noch einiges passiert und deshalb wie immer der Reihe nach 🙂

Letzte Woche ging es erst mal von Botswana über die Grenze nach Simbabwe. Die letzte Einreise im Süden Simbabwes war ja im März alles andere als lustig. Hier bei Francistown war es aber ein normales „bordercrossing“ und ich war nachmittags schon im Matobo Nationalpark. Hier ist Rhodes Grab und der Park ist eher bekannt für die tollen Felsformationen und Hölenzeichnungen von Ureinwohnern, als durch wilde Tiere. Eigentlich wollte ich am Ankunftstag im Park noch zu den, laut Reiseführer, besten Felszeichnungen im südlichen Afrika noch hin laufen. Der Parkguide meinte aber, dafür wäre es schon zu spät … es war vier Uhr nachmittags! Ich wunderte mich zwar, beschloss dann aber am nächsten Tag dort hin zu laufen.

Also ging es am darauf folgenden Morgen los. Der Ranger meinte, immer den Pfeilen folgen. Anfangs ging das ganz gut, auf dem felsigen Untergrund konnte man gelbe Pfeile mehr oder weniger gut erkennen. Dann ging es durch Wälder und es wurde immer schwieriger den richtigen Pfad zu finden. Es ist Ende der Trockenzeit, viele Bäume haben ihr Laub verloren und wahrscheinlich durch mangelnde Besucherzahlen war der Weg oft ziemlich verwachsen und oft nur noch ganz schwer zu erkennnen! Auf den felsigen Untergrund hatte ich immer mehr Mühe, Pfeile zu finden. Oft lief ich im Kreis, vergrößerte die Route und irgendwann fand ich wieder einen Pfeil. Ich kam mir oft vor, wie richtig in der Wildnis, nur Steine, Wald, mannshohes ausgedörrtes Gras, dann wieder Tümpel und Prützen, sonst nichts. Und irgendwie schaffte ich es dann, nach 2 1/2 Stunden unter einem Felsvorsprung zu stehen und diese Zeichnungen bewundern zu dürfen. Allerdings hatte ich schon einen wahnsinnigen Respekt vor dem Rückweg. Nach kurzer Pause ging es hochkonzentriert zurück, immer im Hinterkopf wissend, wenn ich mich hier verlaufe habe ich ein Problem … zum Glück habe ich wenigstens Schuhe angezogen … Rucksack habe ich ja seit Francistown keinen mehr und deshalb hatte ich nur die Kamera in der Hand, was zum Trinken wäre besser gewesen, denn als ich das Auto nach fünf Stunden Wanderung erreichte, war ich schon ziemlich durstig 😉  … bei den weiteren Erkundungen im Park war ich vorsichter!
In einen Teil des Parkes gibt es sogar noch/wieder Nashörner! Da sie durch die Wilderer so gefährdet sind, wurden sie vorsorglich enthornt. Den Teil des Parks habe ich mir erspart.

Über Bulawayo ging es weider in den Hangwe Nationalpark. Vier Tage und drei Nächte die im großen und ganzen sehr enttäuschend waren. Durch meine Besuche in Parks anderer Länder war ich es gewohnt, relativ nahe an die Tiere heranfahren zu können. Sobald man hier jedoch Tiere erblickte, ergriffen sie die Flucht. Sogar Elefanten rannten von meinem Auto weg! Das ist mir anderswo nie passiert. Abends im Camp traf ich dann ein Fotografenpaar, die ähnliches berichteten. Wir hatten dazu zwei Theorien. Erstens, die Tiere sind so scheu, weil sie nicht mehr an Menschen/Autos gewohnt sind. Zweitens, die Tiere sind so scheu wegen der Wilderrei! Nur abends, an den künstilichen Wasserstellen kamen einige Impalas, Büffel, Wasserböcke und sehr viele Elefanten. Am ersten Abend am Masuma Dam Camp zählten wir an die 400 Elefanten!
Hier beschloss ich, einen Tag länger zu bleiben und wirklich mal einen Tag an der Wasserstelle auf Tiere zu warten. Das Camp war so platziert, das man einen guten Blick auf das Wasser und die Gegend hatte. Allerdings war es ein sehr ruhger Tag. Abends kamen dann noch zwei Familien mit Auto und Anhänger! Tagsüber war mir schon ein Elefant aufgefallen, der immer nahe am Camp war und ein Halsband trug. Die Boys vom Camp meinten, er wäre wahrscheinlich irgendwo entlaufen, wo man Elefanten zum Reiten für Touristen abrichtete. Er war auf jeden Fall an Menschen gewohnt und lief auch im eingezäunten Camp umher. Um von dort zum Wasser zu gelangen, zerstörte er einfach den Zaun 🙁 Abends dann wurde der Elefant von den Einheimischen vertrieben, es dauerte dann allerdings nicht lange und er war wieder im Camp. Dann schich er Nachts um die Autos und als ich verdächtige Geräusche außen hörte, schaute ich vorsichtig aus meinem Dachzelt raus und sah neben mir den Rücken des Elefanten. Genau in diesem Moment fing dann mein Kühlschrank an, sich einzuschalten und summte/brummte leise. Der Elefant machte einen Schritt zur Seite, drehte sich und schaute auf mein Auto … mir stockte der Atem! Aber glücklicherweise lief er nach ein paar Sekunden gemühtlich weiter. Ich legte mich auch wieder hin. Dann irgendwann ein krachendes Geräusch am Platz. Der Reihe nach gingen in den Zelten die Taschenlampen an und es wurde der Platz abgeleuchtet. Dann konnten wir sehen, das ein Anhänger, der noch an einem Auto dran war, kopfüber da lag! Ich dachte mir, ich bin im schlechten Film. Denn plötzlich ging Peter raus, bewarf den Elefanten mit Steinen, leuchtete ihm mit einer großen Taschenlampe ins Gesicht, ging drohend auf den Elefanten zu, warf wieder einen großen Stein, der den Elefanten genau auf den Kopf traf! Dann fing der Elefant an drohend mit dem Kopf zu wackeln. Seine Frau schrie aus dem Zelt, er solle das lassen! Dann griff er einen glühenden Ast aus einem der Lagerfeuer, der Elefant war da zum Glück schon auf dem Rückzug und warf den glühenden Ast dem Elefanten noch hinterher!

Dann erst hatte ich den Mut aus meinem Auto zu gehen. Die Männer schauten sich den Schaden an, aber machen konnten wir nichts mehr! Es war schwer, danach wieder einzuschlafen und am darauf folgenden Tag merkte ich den fehlenden Schlaf.
Hier an den Victoria-Fällen war ich noch für einen Nacht am Zambesi-Nationalpark. Aber auch hier war es sehr schwer, Tiere zu finden oder zu beobachten. Ich hatte einen schönen Platz zum Zelten genau am Zambesi. Man konnte die Flußpferde von weitem hören. Dann wieder ein komische raschelndes Geräusch in unmittelbarer Nähe des Autos. Ich schaute vorsichtig raus, sah auch was, was sich im Mondschatten der Bäume bewegte. Ich nahm allen Mut zusammen und leuchtete mit einer hellen Taschenlampe. Mir viel ein Stein vom Herzen, es war „nur“ ein großes Stachelschwein. Ich war aber zu müde und als ich sah, daß keine Gefahr bestand, legte ich mich wieder hin und schlief weiter.

Die Victoria-Fälle sind eigentlich ein schrecklicher Ort. Klar, auf der einen Seite kriege ich hier alles, was ich brauche: Diesel, Lebensmittel und Internet. Aber der Tourismus ist hier schon sehr ausgeprägt, auch mit all seinen Nachteilen! Man kann nicht auf dem Gehsteig laufen ohne mindestens einen hartnäckigen Menschen im Nacken, der einen irgendwas verkaufen will! Geschnitzte Anhänger, Bungee-Sprünge, walk with lions, Pferdesafari usw.

Nach Sonnenaufgang bis abends ist ein ständiges dröhnen von Microflugzeugen und Helikoptern in der Luft, die Touristen über die Wasserfälle fliegen. Jeder zweite Laden ist ein Reisebüro, die andere Hälfte sind Souvinierläden 😉 Aber, das Leben ist ein Kompromiss und morgen bin ich weg von hier!

Viele Grüße von den Viktoria-Fällen,
Euer Jens Cullmann

3 thoughts on “Zimbabwe, Sep. 2010

  1. Bettina

    Hallo Jens,
    schön wieder von Dir zu lesen und zu schauen. Die Tierbilder sind ganz wunderbar. Wahnsinn muß es sein diese Felszeichnungen aus der Nähe zu sehen. Ein tolles Erlebnis.
    Weiterhin gut Reise und viel Glück. Hoffentlich kommt Dir nie ein Elefant in die Quere.
    Good luck
    Bettina

  2. Stephan Kern

    Hallo Jens,
    super pix!! Die Olifants in ZIM, hast Du die im Hwange aufgenommen? Erscheint mir so vertraut, die Landschaft.
    Und schon wieder der Toyo kaputt – stichel!!!
    Scheinbar kommst Du immer zum richtigen Ort, zur falschen Zeit – könntest doch auch mal nen Naobab oder zumindest nen kleinen „Schlappohr-Hänger“ umwerfen ;-)))
    Paß auf Dich auf!!
    GGLG
    Stephan

  3. Martina

    Hi Jens,
    wie war Deine Kanu-Tour ? Meine verlief ganz wunderbar – so als alleiniger Gast wurde ich total verwöhnt. Bei einem ‚Game-Walk‘ kam uns ein älterer Elefantenbulle bis auf 2m nah ! Das war vielleicht ein tolles Erlebnis – er strahlte fast eine Art Weisheit aus – es hätte nur noch gefehlt, dass er mir seinen Rüssel aufs Haupt gelegt hätte … ;o)
    Die Reitsafari war auch abenteuerlich, eigentlich war es mehr Bergwandern zu Pferde. Außerdem bin ich von einer Giftspinne gebissen worden – das verlief jedoch glimpflich.
    Und nun bin ich wieder zu Hause und überlege mir schon die nächsten Reiseziele.
    Freundliche Grüße
    Martina

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