Letzten Donnerstag war es dann soweit. Wir hatten alle Road Permits, Photo Permits, Folgevisa, usw. Wir wollten nur noch „kurz“ in die Werkstatt und Kleinigkeiten reparieren. Veranschlagt waren drei Stunden, nachmittags um kurz vor vier konnten wir dann endlich losfahren. Aber es war auch gut, daك wir diesen Stop eingelegt haben. Man fährt wegen einer Kleinigkeit hin und nach und nach findet man immer mehr, was nicht mehr aufgeschoben werden konnte. Der Dichtungsring an der Lenkung war undicht, viele Schrauben muكten nachgezogen werden, die Klimaanlage hatte Aussetzer, usw. Dann ging es los und doch wieder nicht.

Es war der Spätnachmittag vor dem sudanesichen Sonntag (bei uns Freitag) und halb Khartoum war auf der Straße. Über den Nil gibt es hier nicht viele Brücken und so dauerte es eine halbe Ewigkeit, bis wir wirklich aus der Stadt auكen waren. 100 km weiter in Richtung Nord Nord West schliefen wir dann zum ersten Mal in der Wüste. Es ist schon eine Umstellung, wenn man plِtzlich zu zweit unterwegs ist, aber es dauert halt seine Zeit, bis die Aufgaben verteilt sind und jeder weiك, was er zu tun hat 😉

Am Freitag (13.März) ging es dann in Dongola mit der Fنhre über den Nil. Wir waren schon am Pier als man uns sagte, dass wir nur transportiert werden, wenn wir einen Meldezettel von der Polizei hنtten. Also mussten wir wieder in die Stadt. Nach längerer Suche und zwei Polizeistationen weiter hatten wir dann auch diesen Zettel in der Hand und konnten endlich auf die Fähre.Das Fotographieren wurde uns auf dem Schiff verboten. Im Hintergrund war eine Brücke, die in ein paar Monaten fertig werden soll! Auch sonst war es in den nنchsten Tagen schwierig zu fotographieren. Es war sehr windig und hier in der Wüste war mir einfach zu viel Sand in der Luft, was den Objektiven hنtte schaden kِnnen. Also hat die kleine Kompaktkamera her halten müssen. Magda’s Kamera als auch meine Kompaktkamera hatten dann auch wirklich Sand in der Mechanik, so dass sie nicht mehr richtig ِffneten!

Die Asphaltstraكe nach der Nilquerung wurde dann schnell zu einer Piste die dann nach und nach von immer mehr und grِكeren Sanddünen verschlungen wurde. Es war nur noch selten ein Weg zu erkennen und zum Glück haben wir auf dem GPS eine Karte, auf der dieser Track eingezeichnet war. Teilweise konnte ich nur mit dem GPS fahren um auf dem „Weg“ zu bleiben. Zwei Mal sind wir dann auch tatsنchlich im Nichts in den Dünen stecken geblieben. Also Luft aus den Reifen lassen, damit mehr Profil auf den Sand kommt, die Rنder freischaufeln, Sandbleche darunter und beide Male konnten wir zum Glück problemlos weiter fahren. Aber mulmig wird es einen doch, wenn der feste Sand plِtzlich so weich wird, daك man fast sofort zum stehen kommt. Dann ist das Auto auch noch schief in der Düne und der Wind peitschte den Sand überall hin. Aber das wird noch ein extra Thema!

Unterwegs dann immer wieder Ruinen und Reste von alten Gräbern, Tempeln und Pyramiden (siehe Bilder). Das erste mal dann wieder ein Zeichen von „Zivilisation“ in Karima. Davor, dass mِchte ich noch erwنhnen, immer wieder nette Menschen, die uns zum Tee einluden und uns noch weiter bewirten wollten. Aber wir wollten die Stille der Wüste geniesen und fuhren weiter.

Der Fortschritt macht auch im Sudan nicht halt. Überall werden Straكen gebaut und viele Strecken, die auf den Karten nur als Pisten zu erkennen sind, sind schon asphaltierte Straßen.

Aber es gibt noch die kleinen Abenteuer unterwegs. Von Karima nach Atbara kann man entweder die groكe Schleife immer am Nil entlang oder den „shortcut“ durch die Bayuda Wüste fahren. Bis vor kurzem war das auch noch wirklich eine Wüstentour durch Berge von vulkanischen Ursprung. Nun führt eine gute Straكe von Ost nach West. Allerdings hab ich durch Zufall bei meinen Vorbereitungen von einen Vulkankrater gelesen, bei dem die umliegende Bevِlkerung aus Quellen ihr Wasser bekommt. Wie es der Zufall auch noch will, ist dieser Weg auch auf meiner GPS-Karte. Also fuhren wir irgendwann mal runter von der Straكe und wieder auf eine Piste. Allerdings war der Weg dann in der Realitنt teilweise nicht mehr vorhanden, so dass es nur noch „off road“ wortwِrtlich weiter ging. Sanddünen, Lavafelder, Lavasteinfelder, ausgetrocknete versandete Wadis und ich durfte mir meinen eigenen Weg machen 🙂  und wieder mal so ein Gefühl, am Ende der Welt zu sein. Aber hier leben auch Menschen. Mit Kamelen und Eseln kommen sie von weit her, bepackt mit Kanistern, um das Wasser zu transportieren. Leider war auch hier die Kommunikation nur mit Hنnden und Füكen mِglich, aber wir durften Bilder machen und das Gedränge um den kleinen Kameramonitor war groك, als wir Ihnen die Bilder zeigten.

Ich mِöchte hier bewust nicht alle Sehenswürdigkeiten und touristischen Highlights aufzählen, die wir hier in der knappen Woche abgefahren haben. Für uns immer wieder faszinierend ist, wie schnell sich die Landschaft verändert und wie aufgeschlossen und nett uns die Menschen hier begegnet sind.
Der Tag fängt mit dem Sonnenaufgang an und hِrt mehr oder weniger kurz nach Sonnenuntergang auf. Wir hatten sehr windige Tage und Nächte, aber auch sehr ruhige Tage und Nächte. Einmal war es so windig, dass wir das Dachzelt nicht aufklappten. Geschlafen wurde dann irgendwie zwischen/auf Kisten und Kühlschrank und mit Ohrenstِöpseln gegen die Windgeräusche.

Der Wind und der Sand/Staub haben auch Spuren im Auto hinterlassen. So haben wir heute wieder in Khartoum einen kompletten Werkstatt-Tag eingelegt. Viele Kleinigkeiten wurden repariert. Eigentlich wollten wir das Auto erst mal mit Druckluft ausblasen und vom Sand und Staub befreien. Daraus wurde aber nichts, da das Viertel in dem die Werkstatt ist, den ganzen Tag keinen Strom hatte! So dauerte es halt ein bischen länger bis der Sand und Staub entfernt war und die Kleinigkeiten summierten sich.

Auch hier wieder hilfsbereite Menschen. Salam, der Werkstattbesitzer und Taha sein Freund haben uns hier eine günstige Privatwohung organisert. Gute Hotels in Khartoum sind sehr teuer und die billigen Hotels sind schon sehr bescheiden hier… Morgen wollen Salam und Taha eine Tagestour am Nil mit uns machen und abends grillen.

Viele Gebiete im Sudan sind nur mit einer besonderen Genehmigung zu erreichen. Um diese zu bekommen dauert allerdings ein paar Tage im Behِredendschungel und genau das ist der Grund, warum wir da nicht hin fahren werden und wahrscheinlich in den nächsten Tagen in Richtung ؤthiopien aufbrechen werden.

Viele Grüße aus Khartoum,
Euer Jens Cullmann

3 thoughts on “Sand is everywhere, März 2009

  1. Stephan Kern

    Hallo Magda,
    hallo Jens,
    schön, daß es Euch gefällt.
    Ihr seid scheinbar die umgekehrte Route gefahren, die wir genommen haben.
    Wir hatten mit photographieren komischerweise keinerlei Probleme, auch auf der Fähre über den Nil in Atbara hat sich niemand daran gestört.
    Schöne Zeit noch und happy cruising
    Stephan
    PS: Wir sind ab dem 23.6. wieder on Tour ( Nairobi ) und wollen Tanzania unsicher machen. Wo wollt Ihr zu dem Zeitpunkt sein?

  2. Stephan Kern

    BTW: Tolle Bilder!
    Ihr habt defintiv viel mehr gesehen als wir.
    Aber wir hatten auch leider nur begrenzte 5 Wochen.
    CU
    Stephan

  3. gisela

    Wieder sehr schöne Bilder. Auf Bild 4 „verlassener Golfplatz“. Sind das Fischernetze ? Und wo ist das Wasser? Ist das am Nil?

    Liebe Grüsse Gisela
    .
    Kommentar Jens:
    Das sind ausgetrocknete Kuerbisse, fuer Menschen und Tiere ungeniessbar, voller Samen und warten auf den naechsten Regen. Im ausgetockneten Zustand blaest sie der Wind durch die Wueste und in Senken und Loechern bleiben sie liegen.
    Liebe Gruesse,
    Jens

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