Kigali bei Nacht!

So, nun bin ich in Ruanda (Rwanda). Julie und Quinton hatten es eilig, Sie müssen schon am Freitag in Mwanza/Tansania im Süden vom Lake Viktoria einen Freund abholen. So trennten wir uns nachdem wir die Grenze hinter uns hatten. Leider, Julie war Chefkoch auf einen Luxusschiff und Quinton der Chefmechaniker. Während ich mit den beiden fuhr, gab es immer leckeres Essen und Quinton konnte ich viele technische Sachen über mein Auto fragen 🙂 Die Problemchen mit meiner Elektrik der letzten Zeit haben sich fast von selbst erledigt. Einmal habe ich nur die Kontakte bei den Batterien einfetten müssen, schon kommt auch keine Wahrnung von „meinem Batterie-Trennsystem“ (in Fachkreisen IBS). Das mein Kompressor, das Autoradio und die 12-Volt-Dose an einer Sicherung sind und „nur“ die Sicherung durchgebrannt war, darauf wäre ich wahrscheinlich alleine nicht gekommen. Aber jetzt weiss ich, wo der Sicherungskasten ist und das manche Probleme relativ einfach zu beheben sind. Man vermutet aber immer erst mal das Schlimmste!

Jetzt ist es vier Uhr morgens, ich bin in Kigali und kann nicht mehr schlafen. (deshalb der erste Satz: Kigali bei Nacht 😉  ) Viele Dinge gehen mir wieder durch den Kopf und wahrscheinlich wird es ein längerer Blog-Text.

Da ich meißtens mit sechs bis sieben Stunden Schlaf auskomme, bin ich halt immer so früh wach. Um sechs Uhr abends wird es hier dunkel und dann macht man halt nicht mehr viel. Selbst in Kigali hat es, wie in vielen Hauptstädten meiner Reise, immer wieder Stromausfall. Und Nachts unterwegs sein ist hier halt mit Risiken verbunden. Nicht unbedingt Kriminalität, dass wahrscheinlich auch, aber auch der Straßenverkehr, der schon tagsüber nicht ohne ist. Man muß hier noch viel mehr, als in Deutschland, vorrausschauend fahren und für andere „Verkehrsteilnehmer“ mitdenken. Viele haben keinen Führerschein, oder fahren zumindest so, als hätten sie keinen.

Ein kleiner Exkurs zu den Straßen/Pisten! Vorgestern bin ich doch mal wieder eine längere Strecke am Stück gefahren (250 km). Das ist wie bei uns von (Langenzenn kennt nicht jeder 😉  ) Bamberg nach Garmisch. Allerdings müßt ihr euch das so vorstellen, daß ihr die Strecke auf teils unbefestigten Waldwegen fahrt. Meißtens im ersten oder zweiten Gang, ganz selten im Dritten! Ständiges Beschleunigen, Bremsen, Schlaglöchern oder Steinen ausweichen, hier wieder viel auf Menschen und Tiere achten, usw. (soll kein jammern sein, will euch nur ein bischen meinen Reisealltag erklären). Es gibt natürlich auch bessere Hauptstrecken, aber die interessieren mich weniger.

Runada ist für mich ein wenig wie Äthiopien, zumindest ist das mein erster subjektiver Eindruck. Wunderschöne Landschaften, Viele viele Menschen überall! Ein sehr grünes und fruchtbares Land, aber extrem dicht besiedelt. Sobald man anhält, kommen Menschen und scharen sich um das Auto. Sobald man von Kindern und Jugendlichen erblickt wird, schreien sie „Muzungu“ – „Weißer“! Für mich inzwischen eine Art von Rassismus! Was dann folgt, ist meißtens die Hand, die ausgestreckt aufgehalten wird. Oft kommt dann noch der Satz „Gimme the money!“, oder einfach „money!“. Deshalb auch weniger Bilder von Menschen in meiner Gallery. Allerdings sind nicht alles so, es gibt auch sehr nette und hilfsbereite Menschen die einfach nur winken und einen anlächeln und es ist nicht alles so schreklich, wie es klingt!

Hier ein weiterer kleiner Exkurs „Entwicklungshilfe“, weil es mich gerade gedanklich beschäftigt und hier her passt. Habe im Norden Ruandas einen netten Schweden kennengelernt, der alleine mit dem Rucksack unterwegs ist. Wir hatten das Thema, waren auch sehr einer Meinung, aber ich muss es auch hier mal los werden. Unsere Art von Entwicklungshilfe („der Westen“) ist eigentlich fürn A….! Menschen hier werden doch zum Hand aufhalten erzogen. Es fängt an bei korrupten Politikern, die oft viel von der Hilfe in eigene Taschen oder die des eigenen Klans zweigen. International, wenn es um was abzustimmen geht, lassen Sie sich/ihre Stimme kaufen und stimmen für das, was im Interesse der großen „Geldgeber“ ist. Im Land ist es dann nicht anders. Der Polizist, der Zöllner, der Beamte … viele halten die Hand auf und lassen sich schmieren. Diese Mentalität überträgt sich auf die Bevölkerung und die einfachen Leute, bis zu den Kindern. Der Muzungu ist die Melkkuh! Wir (die westliche Welt) schaffen dadurch Abhängigkeiten. Oft ist es doch so, dass in jeden kleineren Dorf und sind es nur drei Häuser, mehrere Schilder stehen, von irgendwelchen Hilfsorganisationen aufgestellt, wo es dann heißt: „gespendet von …“.

Und dann unser Denken: Die armen Menschen/Kinder in Afrika. Touristen, die dann Stifte, Euromünzen, Kleider, Schuhe, Spielsachen, usw. auf ihren Urlaub in diesenLändern verschenken! Damit schaffen wir doch nur Abhängigkeiten! Klar klingt es hart, wenn ich schreibe, von Kindern die mir nachrennen, betteln und ich ihnen nichts gebe. Zwar wäre dem Kind dann für kurze Zeit geholfen, mein Gewissen wäre ruhiger (ich hab ja geholfen), aber so fördern wir Abhängigkeiten! Natürlich muss/sollte der Westen helfen, wenn es z.B. um Naturkatastrophen geht und Menschen geholfen werden muß. Aber mehr geholfen wäre diesen Ländern langfristig wahrscheinlich mit Direktinvestitionen, Bildung und Projekten, bei denen nur Geld fließt, wenn sie von der einheimischen Bevölkerung umgesetzt wird ohne große Hilfe von „außen“ und irgendwann mal selbsttragend!

Ich kann dieses Thema sicherlich hier nur anreisen, es ist viel zu komplex, um hier DIE Lösung zu finden. Zumindest werde ich durch diese Reise mit diesem Thema hierkonfrontiert und vielleicht kann ich ja hier im Blog einige Denkanstöße geben und vielleicht habt ihr ja noch fragen oder seid anderer Meinung!

So und jetzt Themenwechsel! Kurz zu meiner eigenen Planung. Einige wissen es bereits und ich mache hier auch kein Geheimnis daraus. Werde am 9.Dezember für ein paar Tage in Deutschland sein, um dann weiter nach Mexiko zu reisen. Dort werde ich für einen Monat in Valle de Bravo Gleitschirm fliegen. Ende Januar fliege ich über Deutschland wieder nach Kenia, wo ich mein Auto in dieser Zeit abstellen werde und fahre dann weiter. Werde jetzt also auch relativ zügig von hier nach Tansania und dann weiter nach Nairobi fahren. Eine große Schleife um den Viktoria-See. Riesiggefreut habe ich mich über die Nachricht, das Johannes, mein bester Freund, im Februar für drei Wochen mit mir durch Kenia tourt!

Und noch eine kleine Ankündigung. Am 3.Advent (13.Dezember) ist der berühmte Langenzenner Weihnachtsmarkt. Würde mich freuen, euch mal wieder persönlich zu sehen, mit euch auf dem Markt Bratwürste zu essen und Glühwein zu trinken! Also, 3.Advent in Langenzenn, ein MUSS!!!

Viele Grüße aus Kigali,
Euer Jens Cullmann

PS: Es ist Freitag, wieder 5 Uhr morgens. Vielleicht war ich mit meinem Urteil über Rwanda ein bischen zu hart. Nach zwei Tagen in Kigali kann ich sagen, dass es auch viele nette Menschen gibt. Kigali ist im Zentrum fast wie eine westliche Großstadt, man kann sich auch nachts allein auf den Straßen relativ sicher bewegen.
War gestern noch an/im Genozid-Mahnmal/Museum. Ein Mosaikstück, dass Geschehene aufzuarbeiten! Echt krass, was hier 1994 passiert ist und irgendwie nicht vorstellbar, wenn man jetzt durch die Straßen Kigalis läuft. Wenn man genau hinschaut, sieht man aber oft Menschen die vom Genozid gezeichnet sind. Große verheilte Narben im Gesicht, fehlende Hände, Arme, Füße, Beine …

10 thoughts on “Ruanda, Nov. 2009

  1. gisela

    Bin ganz begeistert von diesen wunderschönen Landschaften. Die Fahrt dort hat sich bestimmt gelohnt. Tolle Gegenden, einfach schön. Du bist zu beneiden.
    Bild Nr. 13 – was ist das für ein Tier? Sieht putzig aus – aber ich kann es nicht erkennen.

    Grüsse von G.

  2. Marga Ulrich

    Hallo, nicht dass Du denkst es hat mir die Sprache verschlagen, – ich bin immer noch täglich dabei – aber bei dem was Du uns da schreibst und zeigst kann man mitunter schon mal sprachlos werden. Deine Erlebnisse, Erfahrungen und Bekanntschaften machen ein mitteleuropäisches Weichei wie mich natürlich „very impressed“. Freue mich, wenn es Dir gut geht und wünsche Dir noch eine gute Weiterreise.
    Lb. Gr. Marga

  3. gisela

    Nachtrag: Habe inzwischen den Text gelesen und muß auch sagen, daß es nicht richtig ist die Bevölkerung mit Almosen (wenn auch gut gemeinten) abzuspeisen. Hilfe zur Selbsthilfe wäre besser und nachhaltiger.
    Grüsse von G.

  4. Magdalena

    Meiner Meinung nach soll die Seite nicht zu einem „feel-good-blog“ werden, wo man nur tolle Bilder aus Afrika anschaut. Deine Berichte können helfen über den deutschen Tellerrand zu schauen. Die Frage ist doch nicht „ob“ helfen, sondern WIE? Wenn du die Möglichkeit haben solltest – rede mit Menschen die für Hilfsorganisationen arbeiten. Vielleicht kann man auf dem Weg etwas über sinnvolle und durchdachte Projekte erfahren?
    LG Magda
    PS Das konnte ich mir nicht verkneifen: von Bamberg nach Garmisch sind genau 317,31 Km. Auf 250 kommt man vielleicht, wenn man die Abkürzung über Langenzenn nimmt 😉

  5. Johannes

    zu Kommentar 5. von Magdalena

    … du machst mir ja Mut für Februar, ich hoffe Jens ist sonst besser in Sachen Entfernungen und Navigation…. 😉

  6. Claus Dratz

    Hallo Jens,

    klasse Berichte und noch bessere Bilder auf Deiner Homepage, hab meine ganze Firma schon verrückt gemacht!

    Freue mich riesig, wenn Du über Weihnachten in unsere einfache fränkische Heimat kommst!
    Bitte melde Dich bei mir!
    Wir werden uns dann auf dem Weihnachtsmarkt in Langsam an der Zenn treffen.
    Da Du noch immer eine Flasche Wein und ein Essen bei mir gut hast, gehe ich davon aus, dass Du Dich sicher bei uns melden wirst 😉

    Also viel Spaß weiterhin und tolle Erlebnisse!
    Deine Fotos sind spitzenklasse!

    Viele Grüße aus Burgfarrnbach

    Claus

  7. Magdalena

    @Johannes – ohne Orientierungssinn sieht man mehr von der Welt! Und ernsthaft: Jens kennt sich in Kenia mittlerweile recht gut aus. Manchmal ist es auch nicht sooo schwierig, z.B. zum Tiwi Beach fährt man eigentlich nur gerade aus 😉

  8. Jeanette

    Hallo Jens,
    wir haben unds kurz mal in Uganda getroffen. bin im Moment wieder in Nairobi und mein Flug geht irgendwann heut nacht zurueck nach Deutschland.
    Wuensche Dir weiterhin eine gute, sichere und erlebnisreiche fahrt 🙂
    Deine Meinung ueber die Entwicklungsarbeit und Entwicklungspolitik kann ich nur unterstreichen. Hab in der Beziehung schon einiges gesehen und erlebt, was mir nicht gefaellt. Das Buch Afrika wird arm regiert unterstreicht dies noch und kann es als Lektuere empfehlen.
    Machs gut und Gruesse aus Nairobi von Jeanette 🙂

  9. carola

    Hi Jens,
    Hilfe zur Selbsthilfe finde ich auch besser,
    drum haben wir Eva direkt gehen lassen, was
    uns nicht so leicht gefallen ist. Hat übrigens
    auch eine supertolle Beurteilung erhalten, wer weiß
    für was die mal gut ist im Lebenslauf. Könntest
    dich ja auch mal zum Unterrichten in ein Camp
    bewerben, Mechanikkurse…… oder so.
    Noch eine gute Zeit, bis nächste Woche
    Gruss
    die Hoffis

    ich denke in kenia kennnst du dich dann schon aus weil jeder
    mit dir durch kenia zieht, sollten wir uns dann auch mal
    bewerben ????

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