Nach fast einer Woche Werkstatt in Swakopmund dachten wir (die Leute von der Werkstatt und ich), die dringensten Probleme am Toyo gelöst zu haben.

Ich fuhr los in Richtung Spitzkoppe, die Tankanzeigen spielten wieder verrückt, dachte ich, denn die Tankanzeige für den hinteren Tank wurde während der Fahrt nicht leerer und die Tankanzeige für den vorderen Tank wurde viel zu schnell leer. Also fuhr ich noch an eine Tankstelle.

Als ich ums Auto zum Tank ging, traf mich der Schlag. Lief doch Diesel und das nicht wenig, auf dem Boden. Relativ schnell bildete sich eine große Pfütze und an Tanken war nicht zu denken. Ich fuhr mein Auto ein paar Meter weg von der Zapfsäule, legte mich unter das Auto und suchte nach den Fehler. Leider konnte ich nichts entdecken. Völlig verdreckt und verschwitzt entschied ich mich wieder zurück nach Swakopmund zu fahren. Dort kannte ich wenigstens eine halbwegs gut funktionierende Werkstatt. Hier konnten mir die Einheimischen auch nicht weiter helfen!

Bei der Rückfahrt wurde der Diesel im vorderen Tank fast leer. Da ich aber laut Anzeige den Diesel für den Motor vom hinteren Tank nutzen sollte, der aber ganz voll war, half auch ein Umschalten nichts und zum ersten Mal während meiner Reise musste ich einen Ersatzkanister leeren… Diesel noch in Deutschland gekauft!

Mit den letzten Tropfen kam ich in Swakopmund in der Werkstatt an und wir machten uns auf die Fehlersuche. Nach langem hin und her und testen fanden wir heraus, dass einer der elektrische Umschalter meiner Tanks defekt war. So wurde Diesel aus dem vorderen Tank in den Motor gesaugt und die Rückleitung in den hintern Tank. Der hintere Tank lief dann über. Der Überlauf ist nicht zu sehen, wenn man unter dem Auto liegt!

Natürlich gibt es so einen Umschalter auf die Schnelle nicht in Swakopmund und so bastelten wir einen mechanischen Schalter. Wenn also ein Tank leer gefahren ist, muss ich den Motorraum auf machen und mit einen Hebel die Dieselzufuhr regeln. Dazu mußten wir auch viele Dieselleitungen „umverlegen“ und verlängern, um zu den Hebel zu kommen!

Einen Tag später ging es dann endlich los. Das Vertrauen in das Auto war ganz weg und ich hatte ein komisches Gefühl im Magen! Diesmal fuhr ich auch nicht zur Spitzkoppe, sondern erst an Cape Cross, das bekannt ist für seine große Robbenkolonie. Dann weiter durch den Messum Krater und den Doro Krater. Beide konnten unterschiedlicher nicht sein. Der Messum Krater war wie Mondlandschaft, hätten nicht hier und da ein paar Pflänzchen gestanden. Doro Krater war durch den vielen Regen eine „blühend grüne“ Landschaft.

Von Twyfelfontein ging es über Sesfontein nach Opuwo. Unterwegs lernte ich ein deutsches Paar kennen. Beide sind zusammen auf einem Motorrad durch das südliche Afrika unterwegs, sind Journalisten und wollen eine Reportage über die letzten Stämme (tribes) in Afrika machen. Wir hatten alle drei ähnliche Reisepläne /-ziele und da sie auf ihren hoffnungslos überladenen Motorrad nicht so viel Benzin mitnehmen konnten, bot ich mich an, Tankwagen zu spielen. Anders hätten sie keine Chance, diese Strecke zu fahren. So fuhren wir von Opuwo zusammen in den Nordwesten des Kaokofelds Über Orupembe, Blue Drum und Red Drum kamen wir am vierten Tag nach Marienfluss. Die Strecke war sehr abwechslungsreich und durch den vielen Regen ware die Landschaft wahnsinnig grün. Das Motorrad hatte bei einigen Passagen so seine Schwierigkeiten. Zu sandig, zu schlammig, zu steil… aber wir schafften doch die Strecke.

Das Kaokofeld ist Heimat der Himbas. Ein Stamm, der hier noch sehr ursprünglich lebt. Unterwegs trafen wir Viele. Nach geschickten Verhandlungen durften wir auch mal ein „photoshooting“ machen.
Der Marienfluss ist ein breites Tal, an dessen nördlichen Ende der Fluss Kunene die Grenze zu Angola ist. Am Kunene waren alle drei Campingpläte überschwemmt und so mussten wir, wie in den Tagen davor wieder „buschcampen“.

Am darauf folgenden Tag trennten sich unsere Wege. Das Motorrad konnte, wie zu erwarten, nicht über einen Pass fahren. Die Spuren waren zu tief, die losen Steine zu groß, und der Weg oft zu steil, so dass die seitlichen Kisten und Seitentaschen, die sehr tief hingen, in den tiefen Spuren im Weg waren! Wir leerten die Kanister aus dem Auto, die Vorräte gingen sowieso zuneige, befüllten nochmal alle Kanister und Ersatzkanister am Motorrad und dann fuhren wir getrennte Wege. Darüber war ich nicht unglücklich, denn die Beiden waren schon sehr speziell. Den Umweg, der für das Motorrad zu schaffen war und zur Diskussion stand, wollte ich nicht machen. Zwei Tage später war ich wieder in Opuwo, von wo aus ich nun langsam in Richtung Windhoek fahren werde. Dort will ich meine Südafrikanische Familie kommendes Wochenende treffen und zusammen weiter fahren!

Viele Grüße aus dem Kaokofeld/Namibia,
Euer Jens Cullmann

8 thoughts on “Namibia, April 2011

  1. Gisela

    Halo lieber Jens,

    herzlichen Glückwunsch zu den schönen Bildern. Sehr interessante und hübsche Leute.
    DeinFahrzeug scheint langsam den Geist aufgeben zu wollen? Über zwei Jahre Afrika geht halt doch an die Substanz.
    Frohe Ostergrüsse aus Langenzenn
    Gisela

  2. willi

    Moien,
    schön, dass du auf Reisen so fleißig bist und alles in Schuss hälst. 😉
    Lass dich nicht ärgern, nimm es sportlich und halt die Ohren steif. Du beweist im gallery-Teil immer wieder dein Fototalent, very nice.
    Mach weiter so, ist sehr schön zu lesen.
    Liebe Grüße Willi

  3. Tom Frey

    Hi Jens,
    Tolle Fotos – wann machst Du Deinen ersten Bildband oder hast Du schon?
    Unser Dorfpfarren aus Linden Markt Erlbach ist letztes Jahr mit seiner Familie nach Namibia ausgewandert -ich glaube Windhoek. Vielleicht triffst Du ihn ja.
    Was ist aus deinem Paramotor geworden?
    Viel Spaß weiterhin und Basteln macht erfinderisch. Ich hab mal in Kanada im Busch ein Kardangelenk mit ner 17ner Nuss und Bindedraht zusammengeflickt. Thomas Frey

  4. Helmut Dittrich

    Hallo aus München,
    es wird nicht langweilig…toi toi toi mit Ihrem Jeep.
    Ein Kollege erzählte mir heute von seinem Höhenrekord in Greifenburg: Es ging mit dem Gleitschirm vom Start 1.700 auf respektable 3.430 Meter und der April scheint ein sehr guter Flugmonat gewesen zu sein. Neugierig geworden? …auch in „good old austria“ kann es schön sein.
    Ich wünsche eine richtig gute Zeit, bleiben´s gsund und gute Reise weiterhin wünscht
    mit herzlichen Grüßen aus dem nasskalten Bayern
    Helmut Dittrich

  5. Robin

    Hello Jens
    I met you in Swakopmund at the Service Centre when you were having your fuel tank repaired. You kindly showed me your camera equipment 😉 I have looked through some of your Namibia pics, they are beautiful. Will you be travelling into Angola?
    If you are ever in Dubai again, please contact me!
    Cheers
    Robin Mumford

  6. nele und erik

    hallo Jens,
    Deine Bilder sind super!!!
    viel spass und ich hoffe wir treffen uns auf meine Hochzeit 🙂
    lg
    nele und erik

  7. Uli

    Hi Jens
    Superbilder auch wenn es gerade nicht so läuft.
    Sehen wir uns wieder auf der Funweek oder bleibst Du da wo es trocken ist??
    Grüßle aus Tübingen

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