Wenn ich so zurück blicke auf die letzten Tage, ist doch wieder einiges passiert worüber sich lohnt zu schreiben!

Meinen letzten Blog habe ich auf der Utengule Coffee Lodge ins Netz gestellt. Bin dort dann doch läger geblieben als gedacht. Tinu, ein Schweizer, der auf der Farm arbeitet, hat mit mir eine Führung durch die Plantage gemacht. Es war sehr interssant für mich einiges mehr über Kaffee zu erfahren. Neben den Tatsachen, auf was alles geachtet werden muß, um guten Kaffee anzubauen gab es noch so einige Basics, die ich nicht wriklich wußte! Gut, die zwei wichtigsten Kaffee-Sorten sind aus den Bohnen des Arabica- und des Robusta-Baumes. Ich wusste zwar noch, das Arabica-Kaffee kräftiger schmeckt, aber das der Robusta drei mal so viel Koffein enthält war mir neu. Kaffee wie man ihn bei uns kauft, ist eh eine Mischung aus beiden Sorten und je nach Mischungsverhältnis wirkt er dann auch 🙂

Von der Coffee-Lodge fuhr ich dann mehr oder weniger direkt an den Strand von Chinteche, südlich von Mzuzu, Malawi. Dort traf ich Ralf, einen deutschen Reisenden, der mit seinem Mercedes-Bus schon sei 2008 unterwegs ist (2007!?! hab vergessen). Jedenfalls ist er die Westküste Afrikas unterwegs gewesen, trotz körperlicher Behinderung und hatte spannende Geschichten zu erzählen!

In Chinteche wurde es mit dem Regen noch schlimmer als in Mbeya, Tansania. Dort regnete es ja nur ein bis drei Mal täglich kurz und kräftig. In Chinteche hielt sich der Regen dagegen über Stunden 🙁 Zum Glück war Ralf da, mit seine Bus und wir machten lecker Abendessen und hatten einige Infos zum Austauschen. Wegen des Regens fuhr ich nach zwei Nächten weiter in die Hauptstadt Lilongwe.

Dort hab ich mit mit Jörg, einen Radfahrer aus Deutschland, verabredet. Sowohl die beiden Erlanger Thomas und Daniel, als auch Ralf kannten den Jörg auch schon. Ich hab ihn letztes Jahr in den Simian Mountains und in Addis Abeba getroffen. Weit ist er ja seit dem nicht gekommen 😉 Jedenfalls kurierte er in Lilongwe seine Malaria aus und war schon wieder relativ fit! Allerdings hielt ich es nicht lange in Lilongwe aus und nach zwei Tagen ging es weiter an den wunderschönen Strand von Cape Maclear.

Dort traf ich Chantalle, eine Holländerin, die nach ihrem Medizinstudium nun ein paar Wochen in Malawi im Krankenhaus arbeitete und ein paar Wochen Urlaub dran hing. Auf jeden Fall überredete sie mich zu einer Bootstour mit einen kleinen Katamaran. Ziel waren ein paar Inseln und an der letzten Insel die im Nationalpark lag, noch Schnorcheln/Schwimmen/Fische beobachten. Der Kapitän/Bootsführer zeigte uns unterwegs ein bischen, wie man segelt und ich merkte, dass man als Gleitschirmflieger doch ein bischen Gefühl für den Wind und für das Segeln hatte.

An der letzten Insel angekommen, schwammen wir zum Ufer. Der Bootsführer steuerte das Boot auch ans Ufer und kam nach. An einer felsigen Stelle waren wirklich hunderte von bunten Fischen im Wasser. Als ich nochmals meine Kamera vom Boot holen wollte, passierte es! Ich rutschte ab und schlug mit meinem linken Schienbein so unglücklich auf die Ecke eines Granitfelsen auf, dass ich ein paar kräftige Abschürfungen hatte. Eine Stelle war ein richtiges kleines Loch und mir wurde doch für einen Augenblick sehr schwindelig 🙁 Zum Glück war ja eine Ärztin dabei und nach kurzer Analyse meinten wir übereinstimmend, dass das eine Loch genäht werden müße und wir fuhren zurück zum Festland.

Mann o mann!!! Wenn man etwas nicht braucht, dann ist es so eine tiefe offene Wunde am bilharziose-verseuchten Malawi-See. Am Meer wäre ich vielleicht etwas ruhiger gewesen. Da spühlt das Salzwasser gleich die Wunde aus, aber hier!!!

Auf dem Weg zum Festland fehlte dann natürlich plötzlich auch noch der Wind und Chantalle mußte paddeln, ich war ja verletzt!  😉

Tausend Sachen gehen einem da durch den Kopf. Ich hab mich ja zum Glück vor der Reise mit einem Erste-Hilfe-Kurs für Langzeitreisende vorbereitet und im Auto hab ich ein Näh-Kit für so Notfälle dabei und wir übten sogar das Nähen einer Wunde an einem Schweinfuß, aber dass es nun meiner sein muß!!! … und wie war das nochmal mit den Sterilisieren??? Wie verknotet man nochmal den Faden???

Ich kann ja nur wieder mal sagen, Glück im Unglück, dass da eine Ärztin dabei war! Naja, irgendwann waren wir dann auch wieder am Land. Dann zurück zum Camping-Platz, meine kleine Apotheke ausgepackt, in Ruhe alles zurecht legen, die Wunde mit einer Salzlösung waschen und Chantalle beim Nähen assestieren!  🙂 Es war dann auch trotz fehlender Betäubung halb so wild. Allerdings meinte auch der anderer dort arbeitender Holländer, dass man bei diesen heiß-feuchten Wetterbedingungen höllisch darauf aufpassen muß, dass sich so eine Wunde nicht entzündet, was dann auch prompt am Tag später passierte!
Naja, auf jeden Fall hatte ich dann genug für den Tag. Abends waren dann im Camp noch eine Gruppe von sechs Norwegerinnen und zwei Norwegern, die für eine Studie in Malawi unterwegs waren und es wurde noch sehr nett!

An dieser Stelle vielleicht mal ein kleiner Einschub der vielleicht ein bischen radikal klingen mag. Aber die vielen Eindrücke verdichten sich und man macht sich natürlich schon so Gedanken über den Ablauf der bisherigen Reise. Und dann so fragen, warum sitzt man mit sechs Norwegerinnen abends auf ein Bier zusammen und nicht mit Einheimischen, in diesem Fall aus Malawi!?!

Am besten ich schreibe mal die Gedanken so auf wie sie kommen, wenn sie vielleicht für euch ein bischen wirr erscheinen mögen!

– Nach der Abreise von Johannes bin ich irgendwie in ein Reiseloch gefallen! Irgendwie waren es vielleicht zu viele Eindrücke! Ich habe davon gehört, aber nie gedacht, dass mich sowas treffen kann. Naja, auf jeden Fall war ich sehr unmotiviert, hatte nicht großartig Lust zu fotografieren und aufstehen/reisen war auch sehr schwerfällig!

– In einigen Ländern warnten mich Einheimische von ihren eigenen Landsleuten! „Pass auf, du bist nur so lange interessant, so lange du von Nutzen bist!“ oder „meine Leute sind nur an deinem Geld interessiert!“ „traue niemanden, selbst mir nicht!“

– Leider hat man auch immer den Eindruck hier, dass man als umherreisende Geldquelle gesehen wird. Da ist an dem einen Camp der Wächter, der einem das Wechselgeld für Campen nicht mehr bringt, obwohl man ihn vorher darauf angesprochen hat! Da ist es woanders einer, der auf dein Auto in einem Reserve für 500 Kwacha aufpassen will. Allerdings habe ich vorher nur 300 Kwache Eintritt bezahlt! Man einigt sich dann auf 50 Kwacha, für das Auto aufpassen! Wo anders kriegt man maßlos überteuerte Preise für Lebensmittel, usw!

– Überall hat man den Eindruck und ich hab es auch schon von vielen hier lebenden Weißen bestätigt bekommen, die Einheimischen leben nur im heute und denken nicht an morgen. Das ist mit dem Geld so, bei der Vorratshaltung, bei Allem! Ein Reisender hatte eine interessante Theorie, ich darf sie hier mal wertfrei veröffentlichen! Die Leute hier haben sich in den vergangenen Jahrtausenden nie um das morgen großartig kümmern müssen. Es war immer was essbares da, irgendwelche Früchte, Wurzeln, Blätter oder Tiere zum Jagen waren immer da. Vorratshaltung hat nie gelernt werden müssen, war nie notwendig. Ganz anders bei den Menschen, die Winter hatten! Die waren gezwungen, Vorräte für die kalte Jahreszeit anzulegen! Und heutzutage sind wir einfach zu viele auf der Erde um alle zu ernähren!!!

– Mein Eindruck ist, Malawi wird, wenn es so weiter geht ein zweites Äthiopien, abhängig von Hilfsorganisationen, weil Einheimische noch weniger sich motiviert fühlen werden, sich selbst versogen zu wollen/zu können!

Naja, bin ja mal gespannt, was es auf diesen Blog an Reaktion gibt!

Nach Cape Maclear fuhr ich weiter nach Blantyre und in die Berge von Mulanje! Momentan bin ich wieder in Blantyre und morgen geht es weiter nach Mosambik! In zwei Wochen muß ich ja schon in Johannesburg sein, da mich Magdalena wieder besuchen wird 🙂

Viele Grüße aus Malawi,
Euer Jens Cullmann

13 thoughts on “Malawi, März 2010

  1. Bernd und Pia

    Hy Jens,

    schön immer von Dir ein Lebenszeichen zu lesen. Wie wir sehen immer sehr interessant auch wenn manchmal die Luft raus ist. ( Machs doch wie die Afrikaner und lebe in den Tag hinein und plane nicht so viel ) Geht oft einfacher !!!
    Wir sind in 2 Wochen auch in Deiner Gegend. Wir fliegen am 2 April nach Boa Vista auf die Kapverden. Ansonsten war ich eine Woche in Frankreich beim Snowboarden. Höchsttemperatur -11 Grad im Tal ( 2300 Meter ) auf dem Gipfel dann -17 . Aber mit guter Kleidung kein Problem.
    War echt geil.
    Ich wünsche Dir noch eine gute Zeit und viel Glück für die Genesung an Deinem Knie.

    Liebe Grüße von Bernd und Pia mit Kindern ( lesen alle fleißig mit )

  2. Claus Dr

    Hallo Jens,

    ist immer wieder klasse mal auf deiner Homepage vorbei zuschauen. Klasse Berichte und noch viel bessere Bilder!!!
    Würde gerne auch einmal so schöne Bilder schießen wollen.
    Lass es dir gut gehen!
    Viele Grüße aus Shanghai

    Claus

  3. Mr. Staubi

    Hallo Jens
    Genau heute vor einem Jahr haben wir in Äthiopien zusammen mit Magda Brot gebacken und Fondue gegessen! 😉 Ich weile derzeit in Spanien in den Veloferien und hatte einen Tag ein Cube-Mietbike. Sofort erinnerte mich das Bike an die Biketour bei euch in Fürth/Nürnberg.
    Es ist wunderbar, regelmässig deine Berichte zu lesen. Oftmals fühle ich mich zurück in Afrika… Die Reisemüdigkeit kann ich bestens verstehen. Als Andrea von Dar nach Hause flog viel ich ebenso in ein Tief und brauchte Erholung vor meiner eigenen Reise.

    Liebe Grüsse aus Spanien und hoffentlich bis bald
    Patrik

    @ Magda: Falls du dies lesen solltest, natürlich auch einen lieben Gruss an dich!

  4. Marco

    Hallo kleiner 😉
    Hoffe Dir gehts mittlerweile wieder besser und Du kannst weiterfahren…
    Bin grad hier in Greifenburg und denke daran, dass wir ja auch mal schön zusammen fliegen könnten…
    werde nach dem 20. Juni ca 2,5 Monate hier sein. Vieleicht sehen wir uns ja dann mal wieder?…
    Können uns ja dann wieder bischen “ zanken“.. Gibs zu, Du vermisst es doch AUCH :-)))

    Meld Dich doch mal. Werd diese Woche das ein oder andere mal bei Skype um ca. 8:15 Ortszeit Österreich online sein. Wenns klappen würde, wäre ja ganz nett….

    Bis dann.

    Ciao

    Gruss

    Marco

  5. Claus Dr

    Hallo Jens,
    viel Spaß beim Strausseier suchen in Afrika, Frohe Ostern aus der Heimat.
    Viele Grüße
    Claus

  6. Ralf

    Hallo Jens,
    na wie gehts. Hoffe du bist nicht allzusehr im Stress! Ich war noch einige Wochen unterwegs in Malawi, bin von einem Südkoreanischen Filmteam begleitet worden und letztendlich wieder mal am Cape Mclear gelandet woch ich Jörg erneut getroffen hab. Dieser hat sein bike dann auf mein Dach verladen und so waren wir gemeinsam für ne Woche on Tour.
    Sende Dir Grüße aus Lusaka!
    Ralf

  7. Roland

    Hallo Jens,
    ich hoffe es geht dir gut. Wir haben lange nichts mehr von dir gehört. Ich freue mich sehr auf die nächsten Bilder. Hoffentlich sind mal wieder Luftaufnahmen mit dabei. Sei aber immer schön vorsichtig !!
    Gruß
    Roland

  8. Bernd und Pia

    Hallo Jens,

    schon viel zu lange nichts mehr von Dir gehört. Ich hoffe doch es ist alles im grünen Bereich!

    Bitte melde Dich mal

    Gruß Bend

  9. mehdi

    Hi
    How are u my good freind Jense?
    where are u????????????
    I have some picture from here
    how I can send them for u?

  10. Jens

    Hallo,
    ich bin wieder gut in Deutschland gelandet! Ihr braucht euch keine Sorgen machen um mich. Werde bis zum Wochenende auch wieder den Blog updaten! Das war leider in den letzten Wochen nicht möglich.
    Viele Grüße, Jens

  11. Avihai

    Hallo jens.
    Es Avihai, der israelischen Kerl Sie auf Malawi erfüllt. Serial-Beutel und im Inneren fand ich die Reise nach Ihrer Visitenkarte und fragte sich, wo Sie sind.
    Cool Site, tolle Bilder! Ich verwende Google Übersetzer und mein seltsames Deutsch.
    In jedem Fall haben Sie betrachtet sie, der andere Israeli.
    Weiterhin viel Sorgfalt von sich selbst zu genießen!

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