Von Maralal ging es zügig in Richtung Samburu Nationalpark. Wie schon im Mai, besuchten wir das Samburu Women Village. Doch es war alles anders!

Rebecca, die Villagesprecherin war in Nairobi auf einer Konferenz und ansonsten war das Dorf sehr leer. Rose, die Stellvertretrin führte uns im Dorf und stand Rede und Antwort. Durch die Trockenheit war die Dorfgemeinschaft gezwungen, ihre Viehherden weit weg zu treiben um dort an Nahrung zu kommen. Andere Frauen leiden an Malaria, sind in Krankenhäusern und ein magerer Rest von etwa 15 Frauen war noch mit den Kindern im Dorf.

Nachmittagas wollten wir uns die Zeit mit einer Lektüre vertreiben, bis es nicht mehr ganz so heiß war. Rose und der Lehrer Timothy sahen die Zeitschriften und waren nicht mehr von ihnen zu trennen. Fast jedes Bild durften/mußten wir erklären und speziell der Artikel über mächtige Frauen erweckte besonderes Interesse …  sieht man doch Parallelen zu ihrer Geschichte.

Am nächsten Morgen fuhren wir schon sehr früh in den Park. Wieder hatten wir das Glück, mehrere Löwen zu sehen. Löwen zu fotographieren ist jedoch sehr einfach. Es schert sie nicht im geringsten, wenn man bis auf wenige Meter an sie heran fährt und dann länger beobachtet. Auch sonst war der Park sehr tierreich. Allerdings hat er sein Aussehen sehr verändert. Bei meinem ersten Besuch vor vier Jahren war er zur gleichen Jahreszeit grün und üppig bewachsen. Jetzt sterben sogar am Fluß ganze Baumgruppen und wo früher meterhohes Gestrüp war, ist jetzt die blanke Erde. Im ganzen Park waren auch oft Kadaver verendeter Rinder zu sehen. Samburu brachten und bringen wegen der Trockenheit ihre Tiere in die Parks, was wir auch schon in der Masai Mara beobachtet haben.

Trotz der vielen verendeten Rinder waren doch erstaunlich viele Wildtiere zu beobachten. Netzgiraffen, Grevy-Zebras, Elefanten (die am Baumsterben im Park auch massiv beigetragen haben), Antilopen und Gazellen sahen wir reichlich. Was wir aber unbedingt mal sehen wollten, ist natürlich noch der Leopard! Am ersten Tag hatte es nicht geklappt. Am nächsten Tag war die Freude groß, als Magdalena plötzlich ganz aufgeregt neben mir kein Wort mehr heraus brachte und nur mit dem Finger zeigte und dazu stotterte da da da da L L L L Le Le Leopard! Und tatsächlich, im hohen Grass sahen wir sogar zwei der großen Katzen für einen kurzen Moment. Dann waren sie weg und wir warteten ein Weilchen in der Umgebung und suchten aufgeregt nach ihnen, bis wir sie etwas weiter im Geäßt einer Akazie liegen sahen. Aber auch dort blieben sie nicht lange und bald waren sie wieder im hohen Gras verschwunden. Man muß nicht näher erwähnen, dass diese Begegnung für uns das Tages-Highlight war!

Tags darauf fuhren wir weiter nach Nairobi. Auf circa 800 Höhenmeter aus dem Park geht es sehr zügig auf 2.500 Meter vorbei am Mt.Kenia. Unterwegs dann riesige Felder und moderne Gewächshäuser. Der schmale Streifen zwischen Straße und eingezäunten Anbaugebieten wird von der ärmeren Bevölkerung bis auf den letzten Quadratmeter für den Eigenbedarf genutzt und bepflanzt. Dazwischen dann wieder Berge von Müll. Kühe, Ziegen und Schafe weiden dazwischen.

Nach dem Besuch im letzten Park, wurde aus einem schleichenden Platten drei! Auf dem Campingplatz der Jungle Junction hatte ich zum Glück tüchtige internationale Hilfe. Ein Franzose, ein Kroate und zwei Schweizer halfen mir, die Reifen von der Felge und wieder drauf zu bekommen. Aus drei mal wurde fünf mal! Einmal ist ein Eisen, das zum Auswuchten an der Felge befestigt war, beim Wieder Aufziehen, in den Reifen gefallen. Das bemerkten wir erst, als wir den Reifen an das Fahrzeug schrauben wollten. Das andere mal konnten wir den frisch geflickten Reifen nicht mehr aufpumpen, weil das Ventil kaputt gegangen ist und bei schlauchlosen Reifen muss dann das Ventil von der Felgeninnenseite eingezogen werden 🙁
Nach so viel Übung kann ich nun das Reifenwechseln mit links und verbundenen Augen 🙂

Nachdem noch weitere kleinere Reperaturen am Toyo von mir erledigt wurden, fuhren wir bald weiter zum Lake Naivasha und Tags darauf an den Lake Bogoria. Dort waren wir ja schon von knapp einer Woche. Wegen der vielen Flamingos und der windgeschützteren Lage, wollte ich dort endlich mal den Gleitschirm mit Motor in die Luft bringen. Auf der Fahrt zum Eingang überlegten wir uns schon Alternativen, falls man mir das Gleitschirmfliegen nicht erlauben sollte! Aber glücklicherweise war es einfacher als gedacht, die Erlaubnis zum Fliegen zu bekommen. Allerdings solle ich erst abends starten, da mehrere Schulklassen im Park unterwegs wären. Als wir an die Stelle kamen, die ich mir zum starten schon beim letzten Besuch ausgesucht hatte, stockte uns der Atem. Dort waren mehr Menschen als Flamingos unterwegs 😉 Auf jeden Fall wollte ich bei so vielen „Zuschauern“ nicht meinen Gleitschirm auspacken. Am späten Nachmittag entspannte sich die Situation. Allerdings schlug nun langsam das Wetter um und am Horizont drohten immer mehr dunkle Wolken. Dann ging alles ganz schnell. Die ersten Windböen kamen und nicht mal 15 Minuten danach regnete es … an fliegen war nicht mehr zu denken 🙁 Tief gefrustet suchten wir uns ein sicheres und nicht zu matschiges Plätzchen. Vom Zeltplatz, den wir vom letzen Besuch kannten, wurde uns abgeraten, da dort momentan zwei Löwen unterwegs wären! Und da wir in dieser Nacht ganz alleine in den Park waren, suchten wir uns in der anderen Ecke des Parks einen Platz! Nach einer großen Menge Frustschokolade und selbstgemachten Walnusslikör schliefen wir gut und kurz.

Am nächsten Morgen war es dann soweit. Zum Glück für uns hatte es nicht viel geregnet und der Boden war schon wieder fest. Nach einer dreiviertel Stunde war ich startklar und mächtig aufgeregt! Was ist wenn … und wenn … und wenn … und so weiter! Dann kam jedoch leichter Wind von vorne und es war ein „Bilderbuchstart“ 😉 Nach einem schönen ruhigen zwanzigminütigen Flug und vielen Bildern mehr, landete ich mit breiten Grinsen im Gesicht. Nach ausführlichen Frühstück am „Startplatz“ fuhren wir aus dem Park, zeigten den Parkangestellten die frischen Bilder und machten uns auf den Weg nach Nairobi, wo wir den halben Nachmittag Bilder sortierten und nun vor dem Blog-Text sitzten! Was wird es für diesen Text geben? Wieder den Pulitzer-Preis von Johannes? Zumindest sind einige Bilder bestimmt schon GEO-Verdächtig!  😉

Viele Grüße wieder aus Nairobi,
Euer Jens Cullmann

11 thoughts on “Kenia – Fortsetzung, Okt. 2009

  1. Roland

    Hallo Jens,
    ich bin überglücklich dich das erste mal fliegen zu sehen. Ich freue mich jetzt schon auf viele tolle Luftaufnahmen.
    Und micht vergessen:
    Flymecc vor Elefant (Löwe geht auch) und dann losfotografieren als wäre es ein Topmodell ;-))
    Gruß
    Roland

  2. gisela

    Hallo Jens und Magda,

    herzlichen Glückwunsch zum ersten gelungenen Gleitschirmflug. Das breite Grinsen hätte ich gerne gesehen. Die Bilder sind wieder schön aber man möchte doch auch gerne mehr über die Samburu-Frauen und ihre Kinder erfahren. Sie haben bestimmt kein einfaches Leben.
    Gruß
    Gisela

  3. bandar

    Hi Jens
    How are you Jens,I saw the pictures that you took.
    Thy are beautiful,but how far are the lion the tiger from you?.
    I wish you a successful jerny.Want to hear good news from you.

    yours
    Bandar

  4. Folkert

    Hallo Jens,
    Eure Bilder sind wirklich Geo-verdächtig, solltest Dich auf die Suche nach einem Verleger machen ;o)
    Alternativ könntest Du auch später mit einer Diashow über die Dörfer tingeln …..

    Freue mich auf weitere spannende Geschichten und interessante Bilder,
    Folkert

  5. mehdi

    hi
    how are u my good freind Jense?
    how is kenya?
    I hope that u and your family be glad allwayes
    take care my freind and say hello to your gf.
    babay

  6. Abd elslam - sudan

    hi my brother how r u we r wiating 4 u in sudan we have big plan 4 u …. abd elslam jack &taha god with u …

  7. Tom Frey

    Hey super, dass Du geflogen bist weiter so!
    Bin vor 2 Tagen hier auch Moschi geflogen und hatte extrem kalte Finger
    Natürlich möchten wir Deine Reise aus der Vogelperspektive miterleben 🙂

  8. Stephan Kern

    Haallloooo!!!!! Herr Cullmann,
    tragen Sie doch bitte mal in der Karte nach, wo Sie sich gerade befinden! 😉
    LG
    S
    PS Haste T4A, neueste Version, könntest mir bei Chris auf CD/DVD lassen, wäre echt super von Dir.

  9. Jens

    hallo liebe blog-leser,
    bin momentan in jinja/uganda. leider ist internet sehr langsam hier. werde aber in den naechsten tagen den blog updaten.
    viele gruesse,
    jens

  10. carola

    Hi Jens,
    danke für die Zwischeninfo, warten schon auf weitere news
    eva will übrigens noch mal zu ihren kids nach swasiland
    zwischen ende fsj und studium…
    lieben gruss
    die hoffis

  11. gisela

    Hallo, habe schon die neuen Bilder gesehen. Sie machen richtig neugierig. Schön die Bilder und Ihr schaut richtig glücklich aus. Leider noch kein Text. Bin schon sehr gespannt. Man wird richtig neugierig.
    Vielen Dank für die Bilder und alles Gute
    Gisela

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