Die Fahrt in Richtung äthiopische Grenze war unproblematisch aber heiss. Es hatte wieder 44 Grad und bei Pausen fühlte man sich im Wind wie im Föhn. Circa 100 km vor der Grenze fuhren wir von der Asphaltstrasse auf einen Feldweg und wir campten auf einem abgeernteten Feld. Die Landschaft hatte sich schon dramatisch verändert. Seit Wad Madani ging es von Steppe in landwirtschaftlich genutzte Fläche über. Viel abgeerntete Felder und endlich wieder Bäume.

Nach dem Frühstück am nächsten Morgen dann der Schock. Nach dem Anlassen des Autos ging es nach ein paar Sekunden wieder aus. Die wiederholten Versuche das Auto irgendwie anzulassen blieben ohne Erfolg. Also erst mal die Motorhaube auf und genau in dem Moment kam auf dem Feldweg auch ein Kleinbus entlang gefahren. Ich zeigte schnell mit Gesten, dass ich Probleme am Auto hatte und der Wagen hielt. Dreizehn Männer stiegen aus und stellten sich um den Motor. Mit Händen und Füßen versuchte ich das Problem zu erklären.

Nach ein paar weiteren vergeblichen Versuchen blieb uns nicht weiter übrich, als die im Auto tief versteckten Abschleppseile hervorzuholen und uns in die nächstgelegene Ortschaft abschleppen zu lassen. Auf der Hauptstrasse allerdings hielt ein weiterer Kleinbus an und der Fahrer fühlte sich motiviert und herausgefordert uns zu hefen. Schnell stellte er die Ursache fest. In Khartoum wurden in der Werkstatt meine Dieselfilter aus Kostengründen nur gereinigt und nicht gewechselt. Bei der Montage muß jemand geschlampt haben, denn es kam auch Luft in die Filter. Also muß irgendein Schlauch nicht richtig montiert worden sein. Kleine Ursache, große Wirkung! Aber warum konnten wir den Tag davor noch das Auto starten und über 500 Km weit fahren. Zwischendurch waren wir ja auch noch einkaufen und machten die ein oder andere Pause!?!

Egal, wir bedankten uns, er nahm auch ein bischen Geld für die Hilfe und dann fuhren wir weiter zur sudanesisch/äthiopischen Grenze. Eigentlich ging alles relativ problemlos. Die Grenze in Gallabat hat ihren eigenen Charme. Manche Gebäude, in die wir mußten, würden in Deutschland nicht mal als Gartenlaube bezeichnet werden. Magdalena zuckte es schon in den Fingern davon Bilder zu machen. Nur das Argument einer unfreiwillige Verlängerung Ihres Aufenthalts an der Grenze konnte sie umstimmen, von der Kamera gebrauch zu machen 😉

Dann ging es für uns zügig weiter nach Gondar. Nun war auch auf der äthiopischen Seite die Straße teilweise asphaltiert. Das war, so weit ich mich erinnern kann, vor vier Jahren noch nicht so. Allerdings waren die Strecken zwischen dem Asphalt um so schwieriger und wir waren froh, irgendwann nachmittags Gondar zu erreichen. Kurz davor hatten wir auch einen kräftigen Regenschauer. Für mich den ersten Regen seit Wochen und die Temperatur sank auf eisige 21 Grad C!

In Gondar hatten wir gleich auf Anhieb Glück mit der Unterkunft. Sie war sehr zentrumsnah, das Auto konnte im Hof geparkt werden und das Zimmer mit Dusche kostete umgerechnet 8 Euro. Hier merkte man auch, daß es touristischer werden würde als noch im Sudan. Deutsche, Franzosen, ein Amerikaner und ein Israeli waren unsere Zimmernachbarn. Man tauschte, wie das so üblich ist, Informationen und Erlebnisse aus, befand sich als relativ sympatisch und am nächsten Tag machte man die eine oder andere Besichtigung oder Essensbeschaffung/-aufnahme zusammen.
Abends regnete es wieder. Ich wollte im Hof das Auto umparken, damit wir meine Markise als Regenschutz nuten könnten, doch mein Auto zeigte die gleichen Symptome wie vor zwei Tagen! Also wieder an die Filter! Ein Einheimischer Gast kannte einen guten Mechaniker, der gleich angerufen wurde. Ich dachte mir, warum eigentlich nicht. Ein Fachmann mehr kann nicht schaden 😉 Er war gleich da und wir einigten uns schnell. Ich stelle das Werkzeug und die Ersatzteile, er darf so lange ‚basteln‘ bis es funktioniert! Allerdings merkte man, das wir nicht mehr in einem moslemischen Land sind. Ich hatte die schlechtern Verhandlungsargumente, da ich auf seine Hilfe angewiesen war und nach einer halben Stunde Arbeit war ich umgerechnet um 30 Euro erleichtert. Allerdings funktioniert das Auto seit dem auch…

Kleiner Exkurs zu allgemeinen Dingen/Veränderungen:

  • Es gibt wieder Bier
  • Die Frauen kann man wieder als Frauen erkennen
  • Abends immer Taschenlampe mitnehmen, auch hier gibt es fast täglich Stromausfälle
  • Ohne Kanalisation entwickelte sich Gondar im Regen innerhalb von Minuten zu Kleinvenedig, nach dem Regen war das Wasser auch wieder so schnell weg, wie es gekommen war!

Nach zwei Nächten fuhren wir weiter nach Axum. Allerdings machten wir in Debark in den „Simien Mountains“ einen Stop für eine Nacht. Im Hotel wieder international. Patrick, ein Schweizer, der auch alleine unterwegs ist und wie ich am 27. Dezember gestartet ist, Georg, ein deutscher Medizinstudent, weitere Schweizer und wieder die Franzosen mit ihren Guides. Abends geht man zusammen zum Essen und erzählt sich die ein oder andere Geschichte der Reise!

Wir überlegten kurz, in den Nationalpark „Simien Mountains“ zu campen. Als man uns aber im Büro aufklärt, dass es ohne Guide nicht geht, verlieren wir schnell die Lust und so sehen wir uns die Landschaft um diese Berge an und fahren am nächsten Tag weiter nach Axum. 240 km in sieben langen Stunden. Später lesen wir in unserem Reiseführer, dass man für diese Strecke zwei Tage einplanen sollte! Die Strecke ist nicht einfach, aber teilweise sehr spektakulär mit tollen Bergen und Landschaften. Magda bringt den Spruch des Tages: Sie kommt sich vor wie im Papamobil. Wo wir auftauchen bleiben die Leute stehen und winken uns. Teilweise wird aus der Winkbewegung schnell die Hand gedreht mit der Aufforderung zu geben! Kurz vor Axum wieder ein kräftiger Regenfall und so bekomme ich auch meine erste Matschfahrt! Unterwegs wird kräftig an einer guten Straße gebaut. Auffällig sind neben den neuen chinesischen Lastwagen auch die Chinesen selbst, die oft hinter dem Steuer sitzen und hier anscheinend die Straße mitbauen! Hierzu hätte ich einige Ideen, erspare mir aber die Kommentare im Blog!

Auffällig war auf dem Weg auch, dass die Gegenden nicht so zugemüllt sind, wie es teilweise in den arabischen Ländern war. Unsere Erklärung dazu ist einfach aber wahrscheinlich zutreffend! Hier gibt es einfach noch keine Supermärkte auf dem Land. Die Bevölkerung lebt noch zum größten Teil von der Land-/Viehwirtschaft und mehr oder weniger von der Hand in den Mund und vieles wird selbst produziert. Joghurt gibt es nicht aus Plastikbechern, Milch nicht aus Tetrapacks, Getreide wird nicht in Plastiktüten abgepackt, Wasser holt man sich aus dem Brunnen und nicht aus einer Flasche, usw.
In Axum waren wir nun zwei Nächte. Gestern haben wir uns auch einen Guide gegönnt. Denn es gibt zu viele Sehenswürdigkeiten, die wir alleine nur schwer in der kurzen Zeit gefunden hätten. Der Guide hatte auch die Idee, auf den Markt zu gehen, da Sonntags ein großer Markt in Axum ist. Von hier stammen auch viele der Bilder, die ihr in der Gallery finden werdet. Nun wollen wir uns langsam weiter über/an die Danakil-Ebene in den Süden vorarbeiten. Die Geschichten dazu findet ihr hoffentlich bald hier… Fortsetzung folgt!

Viele Grüße aus Axum/Äthopien,
Euer Jens CUllmann

PS: Anmerkung: in Hotelzimmern die 6 Euro kosten, sollte man nicht mehr mit warmen Wasser, Klopapier und Frühstück rechnen. Dafür haben hier die Toiletten nicht mehr nur ein Loch im Boden, wie in den arabischen Ländern üblich, man(n) kann sich wieder mehr oder weniger gemütlich setzen (Frau auch)!

10 thoughts on “Äthiopien – Gimmie Gimmie, April 2009

  1. Götz

    Ein HZJ hinter´m Bus und nicht etwa um zu schieben …
    Das kann doch nur ein verfrühter Aprilscherz sein, oder ?
    Ist die Kaffemaschine beim Tom eigentlich ein Vollautomat oder muß man da so richtig Wasser kochen ? (hüstel…)

    Danke im übrigen für Freude und Kurzweil beim lesen Deiner schönen Berichte.

    Gruß Götz.

  2. Stefanie

    Hallo Magda, Hallo Jens,

    immer wieder schön, Deine/ Eure Erlebnissen zu teilen. Klingt alles sehr aufregend und die Fotos sind phantastisch! Ich hatte in letzter Zeit viel Stress – wir sind umgezogen, langsam legt sich aber das Chaos. Lieben Gruß, lasst es Euch gut gehen, Steff

  3. Johannes

    Hi Jens! Hi Magda!

    Bin nach meinem Aufenthalt im tiefen Schnee wieder bei euch in der Wüste.

    Liebe Grüße!

  4. Franzi

    Hi Magda, servus Jens,
    ich lese gerne deine Zeilen über den Trip und da kommt nir in den Sinn: Darf Magda nichts schreiben oder will Sie nicht?
    Nun gut, das ist eine Sache zwischen euch… *lach*. Ich fliege zu Forschungszwecken am Montag wieder nach Ecuador. In der Forschungsstation gibt es Internet, also kann ich eure Abenteuer auch von dieser „Seite der Erde“ mitverfolgen.
    Passt auch euch auf…
    Gruß Franzi.
    PS an Magda: Jens Frank freut sich schon, wenn du bei Ihm „einziehst“ im Mai.

  5. mehdi

    hi jense
    how are u?
    your new images was very beutifull
    say hello to your GF
    be care my good freind
    bye

  6. gisela

    Hallo Jens und Magda,

    bin wieder gut zurück. Die Bilder von Eurer Tour sind für mich das reinste Kontrastprogramm. Immer wieder schön zu lesen und anzuschauen.
    Weiter eine gute Reise, keine Pannen und schöne Erlebnisse.
    Gisela

  7. Renate und Gerhard

    Hi Magda und Jens,
    endlich komme ich wieder mal ins Internet. Hab alles nachgelesen und finde es schön, dass ihr zusammen seid.Vielen Dank für die Geb.Grüße, habe mich natürlich gefreut, dass ihr in der Ferne an mich denkt. Ihr werdet natürlich sehr vermisst. Jetzt kommt ja ein Geburtstag nach dem anderen in der Familie. Aber dabei wird auch immer von euch gesprochen. Vielleicht sehen wir uns ja an deinem.
    Also macht es gut ihr zwei und bis zum näschten blog.
    Renate

  8. Marga Ulrich

    Hallo Magda, hallo Jens,
    melde mich auch mal wieder – bin auch wieder zurück. Vom totalen Kontrastprogramm zu Euerer Reise. Lese mit Begeisterung euere Erlebnisse und die geschilderten Eindrücke. Fantastische Bilder und Kommentare. Ich war auf einem Kreuzfahrtschiff im sicheren WigWam auf hoher See. War toll, ist aber natürlich nicht vergleichbar. Weiterhin eine gute Reise für Euch.
    Lb. Gr. Marga

  9. Rogier

    Hi Jens,

    WoW…wonderful Im very close to speechless!! Such a beautiful trip and even more beautiful pictures! Hope you’re doing fine over there. Sure you enjoy it.
    Only wonder what brand of tripod you use …haha!

    Take care and kindest regards,

    Rogier (Holland)

Comments are closed.