Dachte ich, als auf einen Pass abwärts in Ostanatolien kurz vor Erzurum einen LKW nach links rutschte und ich nach noch weiter links ausweichen mußte. Der Lkw-Fahrer hatte bei verschneiter glatter Fahrbahn die Kontrolle über sein Gefährt verloren und ruschte in einer Linkskkurve zur Fahrbahnmitte und ich in den Begrenzungsgraben zur anderen Straßenseite. Nach wilden Lenkmanövern ging es im Graben erst mal einen halben Meter nach unten und auf der anderen Fahrbahnseite wieder hoch. Es krachte bedenklich am Auto.

Da Stand ich nun, falsch herum zur Fahrtrichtung. Die ersten Autos und LKW´s mit Lichthupe und Hupe an mir vorbei (und ich dachte noch: ein Geisterfahrer, von wegen, hunderte 😉

Bei dem Versuch wieder auf meine Seite zu kommen, blieb ich dann allerdings im Straßengraben erst mal ganz hängen. Mir fehlte der Schwung vom Ausweichen 😉 Die Räder der Beifahrerseite waren schon auf der verschneiten Straße, die beiden anderen Räder noch im Graben. Das Auto hatte gefährliche Schieflage. Nach zwei oder drei vergeblichen Versuchen, mich aus dieser misslichen Lage zu befreien, merkte ich, daß der Wagen sich noch tiefer in den Schnee eingrub. Zurück ging es nicht, dafür war es zu steil und die Raeder drehten durch.

Mit Mühe konnte ich die Fahrertüre öffnen, mir zitterten die Beine vor Aufregung. Von den vorher mühsam überholten Lkw´s hielt natürlich keiner an und der Verursacher war auch einfach weiter gefahren. Was tun?! Nach bangen Sekunden, die mir wie eine Ewigkeit vorkamen, hatte ich einen Geistesblitz, stellte erst mal die Freilaufnarben an den Rädnern um und im Auto auf Vierradantrieb mit niedriger Übersetzung. Nach einigen Versuchen kam ich dann endlich frei, dann erst mal langsam an die rechte Seite der Straße und schauen, ob was kaputt ging. Aber anscheinend hatte ich alle Schutzengel und Glücksbringer die ich mitnehmen mußte, bis auf das äußerste strapaziert, denn es war nichts zu erkennen. Also vorsichtig weiter und auf jedes Geräusch achtend zum nächsten Nachtquartier an einer Tankstelle (siehe Foto in der Gallerie).

Das war am Abend des dritten Tages. Eigentlich wollte ich noch bis an die iranische Grenze, aber Schnee und Eis ab Ankara verhinderten dies. Die 1200 km ab Ankara durch Ostanatolien waren durchgehend verschneit und vereist. Wahrscheinlich war mein Auto auch das einzige auf der Strecke, das keine Winterreifen und/oder Ketten am Auto hatte. Mein Auto machte es wie die Hummeln, die auf Grund ihres Gewichts und Größe im Verhältnis zu ihren Flügeln eigentlich nicht fliegen können. Es fuhr erstaunlich gut, nur der Bremsweg war laaaaaaaaange! (Mama/Papa, das ist alles halb so schlimm wie es sich anhört, ehrlich!)

In den letzten Tagen hatte ich hinter dem Steuer viel Zeit, mir dann auch schon die Überschrift für diesen Blog zu überlegen. Eine wäre gewesen: In drei Tagen von Nürnberg in den Iran. Zur iranischen Grenze sind es 3770 km, doch durch meinen Ausflug in den Graben hab ich nach 14 Std. Fahrt die letzten 300 km sein lassen und nach Erzurum an einer Tankstelle im Auto geschlafen. So war ich erst am Morgen des vierten Tages an der Grenze zum Iran.

Die andere Überschrift die in die engere Auswahl kam, war die Nacht bei Erzurum. Mein Außenthermometer zeigte minus 21 Grad Celsius an. Meine Standheizung hat sich in den ersten vier Nächten schon ihre „Daseinsberechtigung“ erarbeitet und ich bin froh, daß ich mich gegen all die kritschen Stimmen für eine Heizung entschieden habe.

Sonstige besondere Vorkommnisse / erste Eindrücke:

  • Mein linker Blinker am Auto, der aus irgeneinen Grund ab Österreich nicht mehr ging, funktionierte nach dem Ausflug in den Graben wieder tatelos… was soll ich dazu sagen! Dafür war es der Standheizungsanzeige zu kalt. Nach der kalten Nacht zickte die Anzeige und Abschalten ging auch nicht mehr. Sie wollte einfach gegen die Käle weiter kämpfen… also Sicherung ziehen und neu starten.
  • Frechheit, die Autobahngebühren von Tabriz nach Teheran waren genau so teuer wie 135 Liter Diesel beim Tanken auf der Strecke: knapp 3 Euro!
  • Beim Versuch eine Iranische SIM-Karte zu kaufen, kam ich nicht unter einer Stunde Unterhaltung bei Tee und Kaffee mit der halben Verkaufsmannschaft wieder aus dem Laden.
  • Anscheinend fällt der Toyota ziemlich auf, überall kucken mir die Menschen mit großen Augen hinterher, oft winken sie freundlich. Streng schauende Polizisten grüßen freundlich, die Autobahnpolizei will mir den Weg zeigen, obwohl ich nicht nach dem Weg gefragt habe …
  • Atemberaubende Landschaften in Ostanatolien … zumindest die kurzen Augenblicke, in denen das Schneetreiben und der Nebel kurz Pause machten und die Landschaften erkennbar waren.

Ich wünsche allen fleißigen Lesern alles Gute für das Jahr 2009

Euer Jens Cullmann

Vielen Dank fuer die vielen Zuschriften und Eintraege hier. Leider kann ich aus Zeitgruenden noch nicht jeden einzelnen antworten, wird aber bei Gelegenheit nachgeholt.

17 thoughts on “Das fängt ja gut an: Reise schon beendet, Jan. 2009

  1. gisela

    Grade noch mal gut gegangen. Hoffe Du hast weiter so einen guten Schutzengel und Du kommst nicht mehr in so eine Situation. Pass auf Dich auf.
    Gisela

  2. Edith

    Gute Reise ohne Schwierigkeiten, dein Auto ist dein bester Freund auf dieser Reise. Wir denken an dich!
    Viel Glück im neuen Jahr und überhaupt!!
    Gruss Edith

  3. Helmers

    Hey Jens, hast aber nochmal Glück gehabt. Hoffe du wirst Deine Glücksengel nicht überstrapzieren. Wünschen dir eine gute Weiterreise ohne Zwischenfälle:-)
    Auf jeden Fall ein gesundes und glückliches neues Jahr 2009

    Helmut, Petra und Denise

    PS gute Bilder – weiter so!!!!

  4. Andreas

    Lieber Jens!
    Marshalla – wie „der Türke“ sagen würde! Mögen deine guten Geister auch weiterhin so gute Sicht haben! Vielleicht solltest du ihnen ja ein paar Schutzbrillen für/gegen Schneestürme spendieren, damit sie dich nicht aus den Augen verlieren?
    Alles Liebe und ein glückliches, erlebnisreiches Jahr wünschen dir
    Andreas und Christiane

  5. Hartmut

    Hallo Jens,
    ging ja nun flott bis Teheran.
    Lust auf Skilaufen? Dann auf zur Seilbahn im Norden Teherans, nach Tochal!
    Lust auf Juwelen: im Juwelen-Museen gibt’s Klunker in Massen.
    Lust auf „altes“ Teheran (gibt ja wenig davon)? Dann zum Golestan-Palast und drumherum.
    Weiterhin viel Glück und ein gutes 2009!
    Gruß
    Hartmut

  6. Götz

    Hey Jensemann,

    du machst ja Sachen 😉
    Erst mal ein schönes neues Jahr für dich und sowieso alles Gute auf deiner Reise.

    „…ich bin froh, daß ich mich gegen all die kritschen Stimmen für eine Heizung entschieden habe …“

    Wie war das noch mit deinem Kommentar zu meiner Standheizung ? Da will ich dich jetzt mal nicht in aller Öffentlichkeit in die Pfanne hauen ;-)) (kostet dich ein Bier !)

    Wir wünschen dir viel Spass, tolle Erlebnisse und eine wunderbare Reise.

    Birgit+Götz.

  7. Renate und Wolfgang

    Hallo Jens, wir beide wünschen Dir für das neue Jahr 2009 und Dein Abenteuer alles Gute und dass Du weiterhin soviel Dussel hast. Schöne Grüße v. Renate + Wolfgang

  8. Folkert

    Hallo Jens, okay, Schutzengel funktionieren also … ;o)
    Wünsche eine gute Weiterfahrt, Budget für Sprit sollte reichen, gelle …..
    Auf besseres Wetter, damit auch die Badehose noch zum Einsatz kommen kann.
    Folkert

  9. nele und erik

    hallo jens,
    was können wir dazu sagen? ich hatte nicht gedacht dass es so schlimm sein könnte.
    glücklich bist du in ein Teil angekommen in Iran!
    viel spaß noch und wir bleiben dich folgen!
    Hier noch immer gute Schnee, viel Arbeit,…
    liebe grüße aus Pitztal,
    nele und erik

  10. henrik

    ahoi Jens, klingt ja nach ein paar kms schon recht spannend. schnne scheint es ja auch reichlich zu geben. den haben wir jetzt auch. haben den ersten richtig guten powder tag 2009 schon abgearbeitet. in diesem sinne weiterhin gute fahrt und tolle abenteuer.
    henrik & stilbezirk team

  11. Charly

    …ja Jens was soll ich sagen !!
    mit ein paar Schutzengeln im Gepäck ist es halb so schlimm
    aber teile sie gut ein.

    ach ja und mir kannst mal für den Fuffi (50.-€) ein paar Liter Sprit mitbringen 🙂 so 2500 L

    schöne Grüße Charly und Silvia
    und weiter toi toi toi

  12. Renate und Gerhard

    Hey Jens, wir wünschen dir ein gutes neues Jahr mit ganz tollen Eindrücken und Erlebnissen auf deiner Reise. Weiterhin gute Reise und bleib gesund.
    Bis dann
    Renate u. Gerhard

  13. gisela

    Hallo Jens,
    haben gerade Deine neuen Bilder „Erste Eindrücke Iran“ angeschaut. Toll. Da ruft gerade Klaus an. Zusammen haben wir die Eindrücke wirken lassen. Klaus würde am liebsten mitfahren. Er soll sich bei Dir melden. 20 Jahre jünger und er würde nachfahren, sagt Klaus. Wir hier freuen uns über Deine Berichte
    Grüsse Gisela

  14. pinky madame

    hai jens,
    was wäre eine winterreise ohne standheizung und wer braucht
    schon den linken blinker?
    deshalb ein gesundes und erlebnisreiches 2009!

    your pinky madame

  15. Frank

    „Wenn jemand eine Reise tut, So kann er was erzählen“
    Was wäre ein Abenteuer ohne Komplikationen und Hindernisse!?!
    Da bei deiner Reise der weg das Ziel ist, bringen dich solche Situationen auch näher an den Erfolg.
    Ich hoffe das du findest was du suchst.
    Weiter so. viel Glück.
    Dein Bruder

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